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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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16 IV. Von Angiistus bis zum Untergang dos Weströmischen Reiches.

eröffneten den Kampf durch lebhaftes Feuer. Wenn die Linie desschweren Fussvolks herankam, zogen sich die leichten Truppen raschdurch dieselbe zurück, zu welchem Zwecke die geradzahligen Rottenhinter die ungeraden traten, nachher dann ihre Stelle wieder einnehmend.Darauf führte die Linie des schweren Fussvolks den Vorstoss und Angriffmit der blanken Waffe aus, oder erwartete stehenden Fusses in der De-fensive den feindlichen Stoss. wobei die vorderen Glieder wie bei derPhalanx dicht aufschlössen und die Lanzen senkten, die hinteren Gliederaber ihre Speere im Bogen warfen. Während dessen unterstützte dashinter dem schweren befindliche leichte Fussvolk das erstere oder decktedie Geschütze durch sein eigenes Wurffeuer. Dasselbe thaten auch dieberittenen Bogenschützen, die übrige Cavallerie operirte auf den eigenenund gegen die feindlichen Flanken, welche sie zu umfassen strebte. DerNutzen und Vorzug dieser Kampfart entsprach den Vortheilen, welchedie Aufstellung selbst in eine Linie bot, und welche schon oben erwähntwurden.

Im 3. Jahrh. bemühte man sich den stets zunehmenden Verfall dersittlichen Kraft der römischen Truppen, wie seiner Zeit bei den Griechen,durch nutzlose taktische Finessen, durch fast ausschliesslich defen-sives , selten offensives Verhalten im Gefecht, und hauptsächlich durchverstärkte Wirksamkeit der Geschütze und Wurfmaschinen zu ersetzen.In Folge ihrer Feigheit und des Verfalls der Kriegskunst bei ihnen, dasHandgemenge mehr als den Tod fürchtend, bemühten sich die Römer aufalle Weise, die Barbaren in gewisser Entfernung zu halten und sie dortzu zerstreuen und zu besiegen, womöglich auf weiteste Schussweite ihrerGeschütze und namentlich der Maschinen, auf welche sie deshalb auchihre ganze Hoffnung setzten. Ihrer Schwerfälligkeit und Unbehülflichkeitwegen verbreiteten aber diese Geschütze und Maschinen nur Verwirrungund Unordnung in den Rotten, Gliedern und Linien ihrer eigenen Truppenund hielten die Barbaren nicht im mindesten auf, welche, diese Ma-schinen ebenso wie die römischen Krieger überhaupt verachtend, gleichzu Anfang des Kampfes sich direkt auf dieselben stürzten, sich ihrer ohneMühe bemächtigten und noch mit mehr Leichtigkeit die römischen Truppenim Handgemenge besiegten, wenn diese sich nicht schon vorher zur Fluchtgewendet, vielmehr den Angriff überhaupt abzuwarten gewagt hatten.Im Handgemenge . wo Körperkraft und persönliche Tapferkeit mehr alstaktische Kunst den Ausschlag zu geben pflegt, waren natürlicher Weisedie Barbaren den römischen Soldaten bedeutend überlegen.

So verlor denn die römische Taktik in dieser Periode allmälig ihrenwahren ursprünglichen Charakter und nahm dafür den ihr fremdengriechischen an. Bei alledem erhielt sie sich im 1. und 2. Jahrb., Dankden persönlichen Gaben und der Feldherrnkunst einiger Kaiser und Heer-