40. Milit Organisation, Einrichtungen u. Kriegskunst im röui. Kaiserreich etc. | 1
der Bewaffnung sowie der vermehrten Anwendung von Wurfniaschinenund Geschützen die Zahl der schweren Truppen überhaupt und desschweren Fussvolks im Besondren abnahm, die der Reiterei dagegen, desleichten Fussvolks und der leichten Truppen überhaupt zunahm, so dassschliesslich die leichten Truppen, Reiterei und, wie schon bemerkt, dieGeschütze die Hauptstärke der Legionen und Armeen ausmachten.
Der Gesammtetat der Legion, als taktische Einheit der Armee, warwährend dieser ganzen Periode fast immer derselbe, nämlich unter Au-gustus 5000 Mann schweres, 1000 Mann leichtes Fussvolk und 300 Reiter;und bei seinen Nachfolgern 6100 Mann (bisweilen auch 6650 Mann)schweres Fussvolk und 132 (bisweilen sogar 462) Mann Cavallerie, imAllgemeinen also durchschnittlich 6300 bis 7000 Mann, nach Augustuswaren jedoch die Legionen selten ganz vollzählig. Was übrigens dieAnzahl der Legionen bei den Armeen und die numerische Stärke dieserLetzteren überhaupt anbelangt, so überschritt die erstere niemals 8—10 Legionen, die letztere 50—60000 Mann, häufig aber, besonders in derletzten Zeit, waren sie weit geringer.
Feldzeichen und Militärmusik waren die nämlichen wie vordem, mitdem kleinen Unterschiede jedoch, dass 1) über dem Adler bei jeder Le-gion das Bildniss [imago) des Kaisers mit seinem Namen auf dem Schaftedurch den imaginarius [imaginifer) getragen wurde; 2) seit Trajau'sZeit Fahnen in Gebrauch kamen mit grossen Stucken Zeug, welche inGestalt von Drachen (draco) ausgeschnitten waren, weshalb die sietragenden Krieger auch draconarii hiessen, und 3) ausser den frühe-ren Drommeten und Hörnern in dieser Zeit auch eine Flöte von beson-derer Construction, mit Kupfer belegt, in die römische Militärmusik ein-geführt wurde und vielfach in Gebrauch war.
§. 345.Aufstellung, Bewegungs- und Kampfart der Truppen.
Die Aufstellung, sowie die Art der Bewegung und des Kampfes, aufdem Marsche und in der Schlacht, änderte sich in dieser Periode allmäligmehr und mehr: 1) in Folge der Veränderungen in der militärischen Or-ganisation des Staates, in der Zusammensetzung der Armee und in derBewaffnung, Eintheilung und taktischen Formation der Truppen, 2) inFolge des sittlichen Verfalls des römischen Volkes und Heeres, und 3) inFolge der Notwendigkeit, Aufstellung und Kampfart der römischenTruppen der Art der Aufstellung und des Kampfes jener Völker anzu-passen . mit welchen die Römer vorzugsweise in dieser Periode Kriegführten, nämlich: der Germanen, der vom Osten her nach West- und