Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
Entstehung
Seite
12
Einzelbild herunterladen
 

12 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.

Süd-Europa vordringenden Völker, der Parther, und dann der Perser.Aufstellung und Kampfweise der Germanen und Parther (s. 32. Kap.§§. 210 und 214) zwangen hauptsächlich die Römer, schon in der Periodevon Augustus bis zu Trajan, ihre früher übliche Aufstellung der Legionin folgender Weise zu modificiren:

Behufs Verstärkung der ersten Linie wurde die dritte aufgegebenund die Legion nur in 2 Linien aufgestellt, zu 5 Cohorten in jeder. Umaber für den Nothfall auserlesene und zuverlässige Truppen zu haben,begann man (seit Hadrian) die erste Cohorte aus Kriegern von erprobtemMnthe und Tapferkeit, und zwar in doppelt so starker Anzahl als bei denandern Cohorten, zusammenzusetzen. Jede der letzteren bestand nämlichaus 500550 Mann Fussvolk und bisweilen bis zu 66 Reitern, die ersteCohorte dagegen aus 10001100, sogar bis 1200 M. Fussvolk (weshalbsie auch die Cohorte der Tausend, cohors milliaria, hiess) und aus132 Reitern. Die erste Cohorte wurde in 2 gleiche Hälften und in 10 Cen-timen getheilt, jede der übrigen in 7 Centimen. Alle Cohorten waren ingleicher Weise, ursprünglich zu 10, später zu 8 Gliedern formirt. In derallgemeinen Schlachtordnung stand die erste Cohorte gewöhnlich auf demrechten Flügel der ersten Linie, bisweilen auch, je nach Umständen undErfordern, auf anderen wichtigen Punkten, z. B. auf beiden Flanken derersten Linie je zur Hälfte getheilt oder in der Mitte dieser Linie oder vorder Front oder hinter der Front der Legion. Die zweite, dritte, vierteund fünfte Cohorte standen links von der ersten nach der Nummer; diedritte, welche sich in der Mitte befand, und die fünfte auf dem linkenFlügel der ersten Linie, waren gleich der ersten Cohorte auch aus denauserlesensten tapfersten Kriegern gebildet, die fünfte hatte bisweilensogar auch dieselbe Kopfstärke wie die erste Cohorte. Die sechste, sie-bente und achte Cohorte bildeten die zweite Linie und standen auf denIntervallen der ersten. Diese Zwischenräume zwischen den Cohortenbeider Linien waren halb so gross als früher, d. h. sie waren nur gleichder Frontlänge der Cohorten. Die Distance von Linie zu Linie blieb diealte. Auch die Cavallerie theilte und formirte sich wie ehedem, nur mitkleineren Intervallen und Distancen. Dies war die quincuncialis, Auf-stellung der Legion in Cohorten in 2 Linien; geschlossener und festerbereits, als die in Cohorten in 3 Linien; sie wurde fast immer und mitErfolg gegen die Germanen und Parther angewendet, deren Formationund Kampfweise sie vorzugsweise angepasst war.

Aber bei der schlechten Zusammensetzung der römischen Heere undden erhöhten Anforderungen gegen die nördlichen und östlichen Völkerwurde auch diese Aufstellung bald als nicht genügend und fest ge-schlossen erkannt, und in Folge dessen führte zuerst Trajan die Aufstel-lung der Legion in Cohorten in eine Linie ein, die sich-der Ursprung-