4S. Die rörn. Kriege vom Tode Cäsar's bis zu Augustus (44—30 v.Chr.). 361
gewaltige Macht, ja eine Monarchie im Orient in Asien und Afrika zuerwerben, gegen sie führte, waren anfänglich für den Legaten des An-tonius , Ventidius, glücklich, dagegen für Antonius selber ebenso un-glücklich, wie der Feldzug des Crassus es gewesen war. Sie endetenmit dem Triumph der Parther, der ganz dem früheren Triumph derselbenüber Crassus gleichstand.
Im Zusammenhange mit dem zweiten Feldzug des Antonius gegendie Parther war der darauf folgende, ungerechte und von Habgier einge-gebene Feldzug des Antonius gegen den König Artavasdes von Arme-nien, welchen Antonius in hinterlistiger Weise in seine Gewalt brachte,und dessen Besitzungen er dann an Cleopatra und deren Kinder schenkte.
Während nun Antonius im Osten gegen die Parther und Artavasdeszu Felde lag, bekriegte Octavian im Westen die Bewohner von Illyrien(die späteren Dalmatier und Pannonier), welche sich mehr als einmalgegen die Römer erhoben hatten, eigentlich nur um seine Legionen zudem Kriege zu schulen, welchen er als letzten und entscheidenden gegenseinen einzigen wirklichen Nebenbuhler Antonius schon jetzt in's Augefasste.
Der Charakter dieser äusseren Kriege, die ihrem wahren Wesennach Eroberungskriege waren, unterschied sich von jenem der innernBürgerkriege hauptsächlich dadurch, dass die Ersteren nicht so ent-scheidend und so schnell verliefen, als die Letzteren. und eine Vereini-gung von Actionen im Felde und von Belagerungen darbieten.
Allgemein betrachtet bieten die römischen Kriege dieser 13 Jahreeinige ihnen besonders eigenthümliche Züge, welche nur zum Theilschon bei den vorhergehenden Kriegen der Römer, inneren wie äusserenbemerkbar sind.
Die Heeresorganisation und Kriegseinrichtungen der römischen Re-publik, die taktische und innere Organisation ihrer Truppen und Heere,die Art ihrer Kriegführung und der Standpunkt der römischen Kriegs-kunst überhaupt waren noch dieselben wie während der ganzen Periodeder römischen Bürgerkriege in den letzten 90 Jahren (133 — 44 y . Aberniemals hatten sich die römischen Land- und See-Streitkräfte, die Mittelund Hülfsquellen der Republik auf so bedeutender Höhe der Entwicke-lung gezeigt, die, immer grössere Dimensionen annehmend, bis zu derungeheuren Entfaltung von Kräften angewachsen war. wie sie zu Landeund zur See in der letzten Entscheidungsschlacht bei Actium hervortra-ten. Niemals hatte in ihrem Etat sich eine solche Menge von alten aus-gedienten Veteranen befunden, die noch unter den Fahnen des Cäsarund Pompejus gedient und grosse Kriegserfahrung erlangt hatten. Nie-mals hatten diese Veteranen bei allen kriegerischen Eigenschaften einensolchen, der wahren Disciplin und Subordination. dem militärischen
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. I, 4. 24