302 III. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
Geiste und der Ordnung zuwiderlaufenden unruhigen und meuterischenSinn, solchen Eigenwillen gezeigt, solche freche Beanspruchung von Be-lohnungen, namentlich von Ländereien in Italien gewagt, niemals sichsogar in die politischen Staatsangelegenheiten durch Lossagung von demeinen politischen Acteur und Uebergehen zu dem andern in ganzenLegionsmassen, wodurch sie das Uebergewicht bald auf die eine,bald auf die andere Seite warfen, eingemischt. Nie war bis dahin dasrömische Heer ein in solchem Grade mächtiges, aber auch verbreche-risches Werkzeug zu politischen Umwälzungen und zu Erschütterungenim römischen Reiche gewesen, das seine eigene Kraft in dieser Bezie-hung kannte und sie Dem zur Verfügung stellte, der das Meistedafür bezahlte! Nie waren noch die endlichen Resultate, die reifenFrüchte dieser 90 Jahre römischer Bürgerkriege in solcher Macht hervor-gebrochen, aber in diesen reifen Früchten lag ein noch böserer Samenzukünftiger verbrecherischer Raserei der römischen Soldaten währendder Dauer der langen Agonie des römischen Staates! In dieser Hinsichtbilden die römischen Kriege von Cäsar bis zu Augustus den traurigstenTheil der ganzen Periode der römischen Bürgerkriege.
Der Beachtung werth ist auch die in dieser Zeit stattfindende Ent-wickelung der See-Streitkräfte der römischen Republik und ihrer Opera-tionen auf dem Binnenmeere derselben, dem mittelländischen, wo siejener der Landmacht gleichkam, ja sie bisweilen übertraf, und sogar beiActium den Kampf zwischen Octavian und Antonius und damit dasSchicksal der römischen Republik entschied.
Man kann nicht umhin, auch den hervorragenden und dominirendenEinüuss der Kriegspolitik, wie sie namentlich der Zeit der römi- 1sehen inneren Unruhen angehörte, auf sämmtliche Kriege undKriegsoperationen in diesen 13 Jahren und auf deren charakteristischeEigenthümlichkeiten: entscheidend, von kurzer Dauer, und blutig,—noch besonders zu bemerken.
Was endlich die eigentliche Kriegskunst überhaupt und die Kunstder Kriegführung im Besonderen anbelangt, so bieten die Kriege dieser13 Jahre Nichts von grösserer Bedeutung oder was besonders lehrreichwäre.