Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
Entstehung
Seite
360
Einzelbild herunterladen
 

360 HI. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (32330 v. Chr.).

Die darauf folgenden, inneren Kriege wurden schon von denOligar-clien gegen einander geführt. Der erste war der perusinische zwi-schen Octavian einerseits und dem Consul Lucius Antonius in Italien undSextus Pompejus auf dem Meere andererseits. Dieser Krieg, entstandendurch die Vertheilung der Ländereien an die Veteranen, die Hungers-noth in Rom und die Gemahlin des M. Antonius, Fulvia, war auchgleichwie der mutinische und macedonische nicht von langerDauer (Ende 41 bis April 40) und endete mit der Wegnahme von Pe-rusia, in welche Stadt Lucius Antonius sich eingeschlossen hatte.

Das Eintreffen des Marcus Antonius in Italien, vom Osten her, hättefast einen neuen Krieg zwischen ihm und Octavian herbeigeführt, derindessen noch verhindert wurde, indem die Triumvirn ein neues Büud-niss unter sich und mit Sextus Pompejus abschlössen.

Aber schon zwei Jahre darnach entstand (im Jahre 38) ein neuerBürgerkrieg zwischen Octavian und Pompejus in Sicilien, und haupt-sächlich an der sicilischen Seeküste, der zwei Jahre dauerte und (36)mit der Besiegung und Vernichtung des Sextus Pompejus, der Verban-nung des Lepidus und Umwandlung des Triumvirats in das DuumviratOctavian's und des Antonius endete.

Der letzte Bürgerkrieg endlich zwischen Octavian und Antonius (31)war der kürzeste von allen, denn er bestand eigentlich nur in der einenentscheidenden Seeschlacht bei Actium, der Verfolgung und Besiegungdes Antonius durch Octavian bei Alexandria in Aegypten.

Es fanden also in der 13 jährigen Periode von Cäsar bis zu Augustusim Ganzen fünf Bürgerkriege statt, die alle denselben Charakter hatten,und zwar einen von dem der vorhergehenden römischen Bürgerkriege,namentlich der letzten zwischen Cäsar und Pompejus und dessen Partei,wesentlich abweichenden Charakter. Der Hauptunterschied bestanddarin, dass sie sowohl zu Lande, als besonders zur See mit allmäligimmer grösser werdenden Heeren und Flotten geführt wurden, sehr raschund entscheidend verliefen, weil sie sich auf entscheidende Actionen imoffenen Felde und auf dem Meere, welche die Schlacht zum Zweckehatten, oder auf die Einnahme belagerter Städte nach längerer Belage-rung beschränkten, mit einem Wort, dass sie kurz und entschei-dend, aber mehr oder weniger blutig waren.

Die äusseren Kriege, weichein bald engerem, bald wenigerengem Zusammenhange mit den inneren Bürgerkriegen standen, spieltengrösstentheils im Osten in Asien, theilweise auch in Illyrien. Die wich-tigsten und bedeutendsten derselben waren die gegen die Parther, dieseseit dem Feldzug des Crassus beständigen und gefährlichen Feinde derRömer im Orient. Die Kriege, welche Antonius in der ehrgeizigen undhabgierigen Absicht, sich nicht allein Ehre und Ruhm, sondern auch eine