Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
Entstehung
Seite
357
Einzelbild herunterladen
 

48. Die röm. Kriege vorn Tode Cäsar's bis zu Augustus (44:Wv. Chr.). 357

kleinmüthig nach, um nur nicht von ihr getrennt zu werden, aus Lei-denschaft zu ihr Alles vergessend, seine Pflicht, seinen Ruhm, seineMacht, und schimpflich seine Flotte und Armee der Willkür des Zufallsoder Schicksals preisgehend. Die beiden Landheerc blieben am Uferunthätige Zuschauer des heftigen und hartnäckigen Kampfes der beidenFlotten, der vor ihren Augen verlief und mehrere Stunden währte, bisendlich die Flotte des Antonius mit einem Verluste von 300 Schiffen und5000 Mann von Octavian überwunden wurde. Das Landheer des Anto-nius unter dem Befehl des Legaten Considius 4 ) schlug sieben Tage langalle Aufforderungen Octavian's, sich ihm zu ergeben, standhaft aus. Amachten Tage rettete sich Considius persönlich durch die Flucht, das vonihm verlassene Heer, aus 19 vollzähligen Legionen bestehend, ging zuOctavian über. Dieser behandelte sie sehr grossmüthig; die Könige undFürsten aber, welche sich gegen ihn mit Antonius verbündet hatten, ent-setzte er ihrer Throne und Reiche. Zur Verfolgung des fliehenden Anto-nius wurde Mäcenas mit einem Theile der Flotte abgeschickt. AberAntonius war in solcher Hast geflohen, dass Mäcenas ihn nicht zu errei-chen vermochte und zurückkehrte.

Eine neue Meuterei der alten in Italien zurückgebliebenen Legionenzwang den Octavian, rasch dorthin zurück zu eilen. In Brundisium em-pfingen ihn als Sieger der gesammte Senat, die ganze Classe der Patri-cier und Ritter, sowie alle Staatsbeamten, seine schnelle Rückkehr nachRom dämpfte den Aufstand der Legionen. Nach 30tägiger Anwesenheitin Rom, im October des Jahres 31, ging Octavian wieder nach Griechen-land und rückte mit seinem siegreichen Heere durch Kleinasien und Sy-rien nach Aegypten.

Während dessen war Antonius in Alexandria angekommen, vonCleopatra aber als Flüchtling mit Geringschätzung behandelt worden undnach Parätonium geflohen, einer Stadt an der Grenze von Aegypten undLibyen. Aber seine eigenen Truppen Hessen ihn nicht in diese Stadt.und er, ein elender Flüchtling, kehrte wieder nach Alexandria zurückund ergab sich dort auf's Neue seiner Leidenschaft zu sinnlichen Ge-nüssen, bis die Ankunft Octavian's mit dem Heere ihn aus seiner schimpf-lichen Ruhe aufscheuchte. Von Octavian in dem letzten Kampfe beiAlexandria besiegt, stürzte er sich in Verzweiflung in sein Schwert, undnach ihm tödtete sich auch Cleopatra, welche vergeblich den Octavianzu verfuhren gesucht hatte, durch den Biss einer Natter.

Mit dem Tode des Antonius und der Cleopatra blieb Octavian nachzehnjährigem Kampfe gegen seine politischen Nebenbuhler endlichallein im Vollbesitz der Macht über den römischen Staat und ausser-

Niieh Plufcarch: Caniditis. Anmerkung des Uebersetzers.