356 III. Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
Bei Octavian befanden sich 80.000 Mann Legionarfussvolk ; 12,000Reiter und 200 Kriegsschiffe von besserer und leichterer Bauart, als diedes Antonius. Während Octavian seine Landmacht bei Brundisium ver-sammelte, schickte er den Agrippa mit den Kriegsschiffen an die Küstenvon Griechenland, um den Feind zu beunruhigen.
Agrippa landete bei einigen Punkten Griechenlands, unterwarf Me-thone im südlichen Peloponnes, besiegte und tödtete in einem Gefechteden mauretanischen König Bochudes und nahm einen zur See von Syrienund Aegypten heransegelnden grossen Transport von Kriegs - und Pro-viant-Vorräthen fort.
Nachdem solchergestalt der Krieg mit Erfolg eröffnet worden, fuhrOctavian Ende August 31 auf Lastschiffen mit seinen sämmtliclien Trup-pen nach Griechenland und landete bei den Akrokeraunischen Bergen inAkarnanien am ambracischen Meerbusen. Hier, bei dem Vorgebirge Ac-tium , stellten sich beide feindlichen Armeen in stark befestigten Lagernauf. Da aber des Antonius Heer noch nicht ganz beisammen war, so be-schränkte sich dieser Anfangs nur auf unbedeutende kleine Gefechte.Während dessen trug Octavian, der mit seinem Heere aus Land gegangenwar, dem Agrippa auf, mit der von ihm befehligten Flotte zur See gegendie des Antonius zu operiren. Agrippa machte sich die Unthätigkeit desHeeres und der Flotte des Antonius zu Nutze und entriss dem LetzterenLeukadia, Paträ und Korinth, in Folge dessen viele Anhänger des An-tonius in ihrer Treue gegen ihn schwankend wurden und zum Octavianübergingen. Endlich entschloss sich Antonius, als er sah, dass sein un-geheures Heer, auf ein und derselben Stelle verbleibend, an Lebensmit-teln Mangel zu leiden begann, einen entscheidenden Kampf zu wagen.Anstatt denselben aber zu Lande auszufechten, wo er die Ueberlegenheitder Kräfte und die Ergebenheit der Legionen für sich hatte, beschlosser, da seine Flotte am Eingang des Meerbusens lag, auf Anrathen Cleo-patra's, der er wie ein Sklave gehorchte, eine Seeschlacht zu liefern.Der Grund, den Cleopatra dafür anführte, war die erhebliche Ueberlegen-heit der Flotte des Antonius nach Zahl und Grösse der Schiffe über diedes Octavian, der wahre Grund aber war der, dass im Fall einer Nieder-lage sie sich leichter zu Schiffe, als zu Lande retten zu können vermeinte.Agrippa aber wusste die grössere Beweglichkeit und Leichtigkeit seinerSchiffe gegen die des Antonius so auszunutzen, dass es ihm gelang, dieFlotte des Antonius aus dem Meerbusen in's offne Meer heraus zu locken,beide Flügel ihrer Schlachtlinie vom Centrum zu trennen und jeden die-ser Theile in Unordnung und Verwirrung zu bringen. Als Cleopatra dieungünstige Wendung der Schlacht wahrnahm, wandte sie sieh zur Fluchtund entkam mit ihren sämmtliclien ägyptischen Schiffen. Kaum be-merkte dies Antonius, so bestieg er eine leichte Galeere und folgte ihr