48. Die röm. Kriege vom Tode Cäsär's bis zu Augustus (44—30v.Chr.) 355
Der unversöhnliche und entscheidende Krieg gegen ihn wurde zurunabweisbaren Pflicht des Staatsoberhauptes. Im Jahre 32 beschlossder Senat, dem Antonius den Oberbefehl über die Truppen im Osten ab-zunehmen , an Cleopatra den Krieg zu erklären und ungesäumt grosseVorbereitungen zu diesem Kriege zu treffen. Hierbei aber stiess manauf bedeutende Schwierigkeiten: die äusserste Erschöpfung Italiensmachte es unmöglich, die für diesen Krieg erforderlichen Streitkräfte,Mittel und Hülfsquellen, namentlich an Geld und Lebensmitteln, aufzu-bringen.
Während Octavian mit diesen Schwierigkeiten kämpfte, verliessendie Consuln Domitius Ahenobarbus und Sosius, die besten Freunde desAntonius, welche sich in Rom nicht mehr sicher fühlten, heimlich dieStadt und flohen zum Antonius nach Ephesus, wo er sich zum Kriege ge-gen die Parther rüstete. Als dieser von ihnen erfuhr, was in Rom vor-ging, verschob er den Krieg gegen die Parther und begann sich zu demKriege gegen Octavian zu rüsten. Er versammelte bei Ephesus 16 Le-gionen , dem Artavasdes von Medien überliess er einen Theil der Hülfs-truppen gegen die Parther. Aber vermessen, unbesonnen und lüderlichblieb Antonius selbst auch in dieser für ihn so entscheidenden Zeit.Anstatt sofort nach Italien aufzubrechen und dem zum Kriege nochnicht bereiten Octavian damit zuvorzukommen, verbrachte er den gröss-ten Theil des Jahres 32 in Unthätigkeit, in Völlerei und Ueppigkeitzu Ephesus (wohin Cleopatra zu ihm gekommen war), dann in Samosund Athen, und als er im Herbst dieses Jahres mit Heer und Flottedie Küsten von Epirus erreicht hatte, blieb er den Winter über dort.Während dessen aber schwor er, als Antwort auf den Beschluss desSenates, seinem Heere, dass er niemals mit Octavian Frieden oderWaffenstillstand schliessen werde und-zwei Monate nach Besiegung des-selben von selber die Macht eines Triumvirn niederlegen wolle.
Auf der andern Seite schwor ganz Italien dem Octavian, dass esmit äusserstcr Anstrengung aller Kräfte ihm zum Siege über Antoniusverhelfen wolle.
Endlich, im Jahre 31 , waren beide Theile vollständig zum Kriegebereit, Rom hatte bis dahin noch niemals in seinen Grenzen so ungeheurezum Kampfe gegen einander bestimmte Streitmittel beisammen gesehen.
Unter Antonius standen an der Küste von Akarnanien am ambraci-schen Meerbusen, die Hülfstruppen ungerechnet: 100,000 Mann Fuss-volk, 12,000 Mann Reiterei, und bei dem Vorgebirge Actium 800 Kriegs-und Transportschiffe. Die Könige von Libyen, Cilicien, Cappadocien,Paphlagonien, Commagene und Galatia waren persönlich bei des Anto-nius Heere anwesend, die Könige von Medien, Judäa, Arabien und Pon-tus hatten HülfsVölker gestellt.
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