352 III. Vom Todo Alexander's d. Gr. bis zu Augiistns (323—130 v. Chr.).
durch's Gebirge ein. Am dritten Marschtage wurde er unveramthet durchdie Parther angegriffen, schlug sie aber durch die günstige Aufstellungseiner Truppen in Schlachtordnung zurück. Nach weiteren vier Tagenerlitt, in Folge der Nachlässigkeit seines Arrieregarden-Führers FlaviusGallus, sein Heer grosse Verluste, welche indessen durch viele für seineHoldaten glückliche Gefechte einigermassen ausgeglichen wurden. Dieunaufhörliche Beunruhigung Seitens der Parther ermüdete aber schliess-lich die römischen Soldaten aufs Aeusserste, zugleich begann sich auchMangel an Lebensmitteln fühlbar zu machen. Unter Entbehrungen allerArt, denen die Mittheilungen eines angesehenen Parthers, Monäses,welcher zu Anfang des Feldzuges zu Antonius geflohen war, nur theil-weise abzuhelfen vermochten, erreichte das römische Heer endlich untergrossen Verlusten den Fluss Araxes, wo die Parther ihre Verfolgung ein-stellten. Dieser ganze unglückliche, unter fortwährenden Kämpfen be-werkstelligte, Rückzug hatte 20 Tage gedauert, bei einer Länge von nur100 Wegstunden, und war der römischen Armee sehr theuer zu stehengekommen, sie hatte 20,000 Mann Fussvolk, 4000 Reiter und alle Bagageverloren, obgleich sie in 18 Gefechten meist glücklich gewesen war.
Kaum halte sie sich ein wenig erholt und wieder geordnet, so dachteAntonius schon daran, sein Missgeschick an seinem Verbündeten, demKönig Artavasdes von Armenien, zu rächen, welcher versprochen hattemit ihm zu operiren, ihn aber in seiner schwierigen und gefahrvollenLage verlassen und sein Versprechen nicht gehalten hatte. Die ausser-ordentliche Erschöpfung und Desorganisation seiner Armee und derWunsch, möglichst rasch zur Cleopatra nach Alexandria abzureisen, hieltihn indessen von der Ausführung seiner Absicht ab. Er war schamlosgenug, einen langen und prahlerischen Bericht nach Rom zu schicken, inwelchem er sich als überall siegreich darstellte, seine ungeheuren Ver-luste aber verschwieg. Octavian, der die ganze Wahrheit sehr wohlkannte, befahl dennoch, aus Politik, die über die Parther erfochtenenSiege durch Dankfeste zu feiern.
Inzwischen bemühte sich der nach Kleinasien entflohene SextusFoinpejus (s. oben), dwt eine neue Partei für sich zu bilden. Aber dervon Antonius gegen ihn entsandte Legat Titius nahm ihn gefangen (36)und auf des Antonius Befehl wurde Pompejus hingerichtet. OctavianHess auf die Kunde hiervon seine Befreiung von diesem gefährlichenNebenbuhler durch Volksspiele feiern, obgleich des Pompejus Name demVolke theuer war wegen seiner früheren Treue gegen seinen Vater. Vondiesem Zeitpunkt an konnte man schon aus dem ganzen Verhalten Octa-viau's seine feste Absicht zu unversöhnlichem Kampfe gegen seinen ein-zigen verhassteu Nebenbuhler — Antonius — erkennen, welcher seiner-seits ganz dieselbe Absicht hatte.