48. Die röm. Kriege vom Tode Cäsar's bis zu Augustus (44—30 v. Chr.). 353
§. 339.Der illyrisehe Krieg (35).
Um seine Soldaten zu dem bevorstehenden Kampfe gegen Antoniusvorzubereiten, beschloss Octavian zunächst einen Krieg gegen die Illyrierzu eröffnen, die sich oft gegen die Römer erhoben hatten. Aber geradeals er zu Felde ziehen wollte, entstand eine neue Empörung der altenVeteranen, welche laut und kühn forderten, dass sie, wie es in früherenFällen geschehen, mit Ländereien in Italien belohnt würden. Octaviansuchte Anfangs vergebens die Empörer durch Güte zur Vernunft zu brin-gen, schliesslich Hess er sie entwaffnen, die Rädelsführer hinrichten undstellte durch strenge Massregeln die Disciplin wieder her.
Danach unterwarf er den illyrischen Stamm der Japodier, bemäch-tigte sich ihrer Hauptstadt Metulum nach hartnäckigem Widerständeund wandte sich nun gegen die kriegerischen Pannonier. Die Letzternsetzten sich in ihrer Stadt Siscia tapfer und heftig zur Wehre, aber vonjeglicher Hülfe von aussen her abgeschnitten, unterwarfen sie sich end-lich freiwillig. Zur selben Zeit unterwarf der eine Legat Octavian's,Messala, den Stamm der Salasser, der andere Legat M. Crassus später dieMysier und Bastarner, deren König oder Führer er eigenhändig im Kampfetödtetc. Er wurde dafür (der vierte seit Gründung Roms überhaupt)mit der höchsten kriegerischen Belohnung, den Spolia opimä , belohnt;Octavian erlaubte ihm aber nicht die öffentliche Feier.
§. 340.Der armenische Krieg (34).
Nach Alexandrien zurückgekehrt, beschloss Antonius das auszufüh-ren , was ihm zu Ende des Jahres 36 nicht gelungen war, nämlich denArtavasdes von Armenien für seine Wortbrüchigkeit, wie sein Verhaltenaufgefasst wurde, zu züchtigen, in der That aber, wie die Folge es lehrte,in keiner guten Absicht. Nachdem er das ganze Jahr 35 zu Alexandriain Schwelgerei und Unthätigkeit zugebracht, brach er im Sommer 34 miteinem zahlreichen Heere nach Armenien auf und nahm vermittelst einertückischen und ehrlosen List den Artavasdes in seiner Hauptstadt gefan-gen. Der Sohn des Letzteren, Artaxias, leistete den Truppen des An-tonius tapfern Widerstand, wurde aber endlich besiegt und gezwungennach Parthicn zu fliehen. Ganz Armenien unterwarf sich dem Antonius,welcher ausser dem Artavasdes noch dessen ganze Familie gefangen
Oalitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. I, 4. 23