48. Die l'öm. Kriege vom Tode Cäsar's bis zu Augustus (44—30 v. Chr.). 343
leitete von Rhegium (heute Reggio) aus die Actionen desselben. Da aberseine Flotte gegen Pompejus nicht stark genug war, so beschränkte ersich lediglich auf Beschützung der Küsten Italiens gegen Verheerungdurch Pompejus und rief dann seine Flotte nach Brundisium zurück; esgelang ihm, nach und nach 19 volle Legionen nach Macedonien undThracien überzuschiffen.
Bald wurde nun Macedonien der Schauplatz des kurzen, aber ent-scheidenden Bürgerkrieges zwischen den römischen Oligarchen und Re-publikanern, welcher der macedonische Krieg genannt wird. GrosseFähigkeiten, bedeutende Streitkräfte zu Lande wie zur See, und die ge-rechte Sache denn sie kämpften für die Wahrung der Interessen der rö-mischen Republik) hätten, so schien es, dem Brutus und Cassius denSieg verschaffen müssen. Allein das eigensinnige Glück erwies sichihnen nicht günstig und liess die römische Republik für immer zu Grundegehen.
Auf den Ebenen von Dorisens Hessen Brutus und Cassius ihre100,000 Mann starke, vortrefflich bewaffnete und geübte Armee Revuepassiren, beschenkten jeden Soldaten und Unterbefehlshaber reichlichmit Geld, und wollten darauf ihren Gegnern den Weg nach Macedonienversperren. Als Diese aber andere Eingänge in das Land gefunden hat-ten, bezogen Brutus und Cassius ihnen gegenüber Lager bei Philippi.
Niemals hatten bis dahin sich zwei so zahlreiche römische Heeregegenüber gestanden. Die Armee des Brutus und Cassius war bessermit Waffen und Lebensmitteln ausgerüstet und hatte die Vortheile desTerrains auf ihrer Seite. Die Armee des Octavian und Antonius warkriegsgeübter und erfahrener, da sie grösstenteils aus alten Veteranenbestand, welche noch unter Cäsar's Führung gekämpft und gesiegt hat-ten. Der Mangel an Lebensmitteln aber zwang die Triumvirn, die Sachedurch einen allgemeinen Kampf möglichst rasch zur Entscheidung zubringen.
Als beide Heere sich in den Lagern bei Philippi gegenüber standen,lag Octavian dem Brutus, Antonius dem Cassius gegenüber. Der Letz-tere, welcher den unbändigen Geist und die Tapferkeit des Antoniuskannte, befestigte sein Lager möglichst stark, in der Hoffnung, denKampf dadurch hinzuhalten und seinen Gegner in Folge des Mangels anLebensmitteln durch Hunger zu überwinden. Aber in dem bald daraufsich entspinnenden ersten Gefechte bei Philippi erfocht Brutus auf seinemFlügel nach heftigem Kampfe einen Sieg über Octavian, Cassius dagegenwurde von Antonius geschlagen, und da er in Folge seiner Kurzsichtig-keit die siegreichen Truppen des Brutus für feindliche hielt, so glaubteer Alles verloren und durchbohrte sich, in Verzweiflung, selbst mit demSchwerte. Der moralische Eindruck, welchen sein Tod hervorbrachte,