334 HI. Vom Tode Alexandoi's d. Gr. bis zu Augnstus (323—30 v . Ohr.).
zu stelm, was indessen seinen Ruhm nicht vermindert, sondern nur nocherhöht. Das Glück, dem er blind bis zum Fanatismus traute, begünstigteihn mehr oder weniger und half ihm, wie es Alexander geholfen hatte.Allein Hannibal, ein seltner Feldherr, wie schon früher bemerkt, hatte,bei aussergewöhnlicher kriegerischer Begabung und allem Anspruch aufErfolg, mehr von den Wechselfällen des Schicksals und der Veränder-lichkeit des Glücks zu leiden als Cäsar, in seltnem Maasse war er un-glücklicher, aber auch in seinem Unglück grösser, — in seltnem Gradeendlich erregt er auch eine um so höhere Theilnahme. Gerade hierinbesteht auch die auffallendste Verschiedenheit zwischen ihm und Alexan-der und Cäsar, zwischen seiner und ihrer Lage, seinen und ihren Mit-teln, Hülfsquellen und Kräften u. s. w. Daraus folgt indessen nicht,dass Alexander höher stände als Cäsar, und dieser höher als Hannibal:sie Alle sind gleich gross als Feldherren, Jeder aber in seiner Weise undin besonderen Beziehungen, der Eine im beständigen Glücke, der Andereim Glück und nicht ohne Unglück, der Dritte vorzugsweise im Unglück.
Die Art und Kunst ihrer Kriegführung in allen kriegerischen Be-ziehungen überhaupt wie im Besondern, sind bereits hinlänglich bei derDarstellung ihrer Kriege und Feldzüge besprochen worden. Bei diesenallgemeinen Betrachtungen mag darüber noch Folgendes angeführtwerden:
Die eine Hälfte dieser Art und Kunst war diesen drei grossen Feld-herren des Alterthums säinnitlich gemeinsam, die andere gehörte jedemEinzelnen besonders an, war gleichsam ihr persönlicher Besitz.
Gemeinsam war ihnen die regelrechte, systematische,wie Cäsar sich ausdrückt römische, d. h. der barbarischen (asia-tischen und afrikanischen; gegenüberstehende , oder nach Napoleons I.Ausspruch— methodische Kriegführung, d. h. eine solche, die ge-gründet war auf vorhergehende Entwürfe und festgestellte Kriegspläne,ausgeführt wurde im unentwegten Hinblick auf das Hauptziel, aber mitAbänderungen in den Einzelheiten, wie es den Umständen, Kräften.Mitteln, Hülfsquellen, Oertlichkeiten u. s. w. entsprach.
Sie führten den Krieg nicht anders, als gestützt auf eine locale Ope-rationsbasis , eine Gegend oder ein Land, sicherten ihren Rücken, ihreFlanken und Verbindungen, richteten ihre concentrirten Kräfte direct aufdie entscheidenden Punkte des Kriegsschauplatzes oder der Kriegsopera-tionen, hauptsächlich dahin, wo die Hauptkräfte des Feindes standen,theilten aber ihre Macht, sobald die Umstände dies erforderten, jedochnur, um sie darnach sofort wieder zusammen zu ziehen. Ihre Bewegun-gen und Operationen waren kühn, rasch, entschieden, hatten vorzugs-weise den Kampf zum Zweck, bisweilen aber auch ein blosses Manövri-ren zu diesem oder jenem Zwecke, dessen Endziel aber schliesslich immer