47. Lebensende Cäsar's, allgemeine Betrachtungen und Schlüsse. 331
seine einzige heftige Leidenschaft — die Herrschsucht), die Unempfind-lichkeit, Selbstliebe und eine beständige kalte und eigennützige Be-rechnung.
In Jedem von ihnen stand die Kraft des Verstandes mit der desWillens in dem richtigen, für den Feldherrn unerlässlichen Gleichgewicht.In Alexander aber ging der Wille oft mit dem Verstände durch, in Hanni-bal dagegen gewann oft der Verstand über den Willen die Oberhand, beiCäsar aber überwog je nach Zeit und Umständen bald der eine, bald derandere, weit häufiger jedoch der Wille. Die Ursachen zu ihrer Verschie-denheit in dieser Hinsicht lagen theils in ihrem persönlichen Charakter,theils auch in dem Alter, in welchem sie ihre Thaten vollbrachten:Alexander zwischen dem 20. und 32. Lebensjahre, Hannibal zwischendem 25. und 44., Cäsar zwischen dem 42. und 55., also der Erstere imbei weitem jugendlichsten, der Letztere im bei weitem reiferen Lebens-alter.
Der ungewöhnliche natürliche Verstand in Jedem von ihnen zeich-nete sich gleichermassen durch Weite, Tiefe, Kraft, Schnelligkeit, Allesumfassende und weitsichtige Conception aus, bei Alexander aber ver-band sich damit ein stürmisches Feuer. bei Hannibal Scharfsinn, Ver-schlagenheit und List, bei Cäsar ein besonderer Berechnungsgeist. BeiJedem von ihnen war er durch Erziehung und Bildung bedeutend ent-wickelt und geschärft, mehr als bei Allen bei Alexander, demnächst beiCäsar, endlich bei Hannibal.
In Jedem von ihnen zeigte sich die Kraft des Geistes in der Begrün-dung, Erwägung und Kunst der Entwürfe, und die Kraft des Willens,gepaart mit Unternehmungsgeist, Kühnheit, selbst Verwegenheit, mitFestigkeit und Geistesgegenwart, offenbarte sich unter den schwierigstenund gefahrvollsten Verhältnissen durch Entschiedenheit. Beständigkeit,Ausdauer, selbst Hartnäckigkeit in der Ausführung.
Sie Alle waren in gleicher Weise ungemein thätig, unermüdlich beiSchwierigkeiten. geduldig bei Entbehrungen und Mangel, in Gefahrenunerschrocken und von vollkommener Geistesgegenwart, im Kampfemuthig und tapfer. Alexandern aber riss seine feurige, aufbrausende,bis zur Tollkühnheit verwegene Tapferkeit häufig über die Grenzen derBesonnenheit fort. Cäsar entfaltete im Gefecht eine aussergewöhnlicheaber mehr ruhige Tapferkeit, Hannibal dagegen vergass nie die Pflichtendes Feldherrn und warf ohne besondere Noth oder Nutzen sich niemalsübereilt in das Handgemenge und kämpfte nicht gleich einem Front-soldaten.
Sie Alle hatten in gleicher Weise einen ungewöhnlichen moralischenEinfluss auf ihre Krieger, die Gabe strenge kriegerische Disciplin und