330 III. Vom Torte Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
wie die kleinsten, standen stets im engsten Zusammenhange mit seinenpolitischen Plänen und Zwecken, die aus seiner masslosen Herrschsuchtentsprangen. Obgleich daher schon bei Betrachtung seiner Kriege undFeldzüge im Einzelnen wie im Ganzen die Art und Kunst seiner Krieg-führung in den verschiedenen Kriegslagen dargelegt wurde, so ist dochzur Vervollständigung seines Bildes ein Blick auf die politischen Trieb-federn zu seinen Kriegsthaten wesentlich und weit nothwendiger, als diegleiche Betrachtung bezüglich der Kriegsthaten Alexander's. Was Han-nibal anbetrifft, so ist er in dieser Hinsicht sehr von Cäsar verschieden.Als Feldherr steht er mit Cäsar und Alexander auf gleicher Höhe, alspolitischer Acteur aber war er weder ein köuiglicher Eroberer, wieAlexander, noch ein herrschsüchtiger Eroberer, wie Cäsar, noch auch einselbstsüchtiger Ehrgeiziger. Im Gegentheil, er war nur der seiner Re-gierung vollkommen unterstellte und von ihr abhängige Feldherr, dernur ein uneigennütziges höchstes Ziel hatte, den Feind seines Vaterlan-des, Rom, niederzuwerfen, und Karthago über dasselbe zu erheben. Da-bei steht seine reine, makellose Persönlichkeit höher als die Cäsar'sund selbst zum Theil höher als die Alexander's fam Ende seines Lebens)in höchster sittlicher Beziehung.
Aus diesen Gründen betrachten wir jetzt Cäsar als Feldherrn undvergleichen ihn mit Alexander und Hannibal nach möglichst vielen Rich-tungen hin, ihre Vorzüge wie ihre Mängel in körperlicher, geistiger, sitt-licher, allgemein menschlicher, staatsmännischer, politischer und kriege-rischer Hinsicht gegen einander abwägend.
In Bezug auf Verstand und Geist, d. h. auf die Kraft ihres Ver-standes und Willens, stehen sie alle drei auf derselben Höhe. Inkörperlicher Hinsicht aber, und in allen drei Beziehungen zusammen-genommen muss Alexander, in sittlicher Hannibal am höchsten gestelltwerden.
Alexander und Hannibal hatten von Jugend auf ein massiges, ent-haltsames Leben geführt und dadurch ihre Gesundheit, ihre Körperkraftund Elasticität gestärkt. Die Jugend Cäsar's dagegen war sehr stür-misch gewesen , sein Leben in übermässigen Genüssen verflossen , unddies wurde, bei seiner ohnehin von Natur nicht kräftigen Körperbeschaf-fenheit , der Grund zu seiner Schwächlichkeit und selbst Kränklichkeit,obgleich er zur Zeit seiner Kriege und Feldzüge durch Massigkeit, Ent-haltsamkeit und Thätigkeit seinen Körper stärkte und zur Ertragung vonEntbehrungen, Beschwerden und Ungemach befähigte.
Die Kraft ihres Geistes und Willens war bei Jedem derselben gleichgross, an Feuer der Seele und Begeisterung übertraf Alexander sie Alle;Hannibal besass eine weit grössere Rübe des Urtheils und besonneneVorsicht; in Cäsar waltete die Leidenschaftslosigkeit vor (ausgenommen