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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
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47. Lebensende Cäsar's, allgemeine Betrachtungen und Schlüsse. 329

lichkeit mit einander haben, wurden, wie Heeren sagt, mehr oder weni-ger herabgesetzt oder verurtheilt, als Eroberer, Cäsar ausserdemnoch als Usurpator der Macht. Alexander der Grosse wurde sogarein Wahnwitziger genannt (verrückt', weil er daran gedacht habe,die Welt zu erobern und eine Universalmonarchie und einen Welthan-del zu begründen, und Cäsar, ein Usurpator, weil er noch gewalti-gere Pläne entworfen, den Osten und Westen der damals bekanntenWelt habe erobern und eine dauernde Universalmonarchie gründenwollen. Allein die erhabene, reine und redliche Persönlichkeit Alexan-ders des Grossen, die fern von aller Habsucht war, und die grossen poli-tischen Gedanken und Beweggründe zu seinem Kriege mit den Persernund zu dem Zuge nach dem Indus und weiter gen Osten (im I. Bande derAllgem. Kriegsgeschichte des Alterthums genügend besprochen) verdienennicht den Tadel, welcher gegen Alexander als Eroberer erhobenwird. Ganz anders steht es mit dem Urtheil über Cäsar unter demsel-Gesichtspunkte. Wenn man den Anfang seiner politischen und kriege-rischen Laufbahn im Jahre 60, zur Zeit seiner ersten Prätur in Hi Spa-nien (als er, nach Plutarch, vor Alexander's des Grossen BildnissThränenvergoss, siehe oben), die Fortsetzung derselben ivom Beginn desKrieges in Gallien bis zum Ende des Krieges in Hispanien), und ihrEnde (die letzten sechs Monate vor seinem Tode) als ein grosses Ganzeszusammenfasst, so, scheint es, kann man daraus den Schluss ziehen,dass, durch die grossen Thaten und den Ruhm Alexanders angeregt, erdarauf ausging, zunächst sich der höchsten uneingeschränkten Gewalt inRom zu bemächtigen, dann in der Würde eines Königs und Monarchenden Osten, gleichwie Alexander, zu erobern und noch grössere Resultateals Alexander zu erreichen, indem er den Osten und Westen der damalsbekannten Welt unter seiner Herrschaft vereinigen wollte. Dabei aber,wie Heeren mit Recht hervorhebt, fehlten dem Cäsar doch jene grossenpolitischen Gedanken, welche Alexander beseelten. Im Gegentheil, seinoffenkundiges Streben nach der Königsmacht, seine ersichtliche Verach-tung der republikanischen Formen, und zugleich sein Vertrauen zu denRepublikanern sowie zu seinen ehemaligen Feinden, und die Unterlas-sung aller Massregeln zu seiner eigenen Sicherheit, dies Alles zusammenbestätigt Heeren's Ausspruch, »dass er besser als irgendwer sonst sichauf die Mittel zur Erlangung, nicht aber auf die Erhaltung der Machtverstanden habe«. Deshalb ist er auch mit Recht als ein herrschsüch-tiger Räuber der Gewalt und Eroberer ebenso verurtheilt, wieals Feldherr gerühmt und gepriesen worden. In letzterer Hinsichtsteht er auf gleicher Stufe mit Alexander, in ersterer aber tiefer. DenFeldherrn vom Politiker in ihm zu sondern, ist sehr schwer, weit schwe-rer noch als bei Alexander. Alle seine Kriegsoperationen, die grössten