47. Lebensende CäBar's, allgemeine Betrachtungen und Schlüsse. 325
Leichten Vergehen gegenüber war er milde und nachsichtig, in Fällenaber, die irgendwie dem militärischen Geiste zuwiderliefen, namentlichbei seinen Unterfeldherren, entzog er den Betreffenden sein Vertrauen.Selten sah er sich in seinem Heere zu strengen Bestrafungen, namentlichzur Verhängung der Todesstrafe, gezwungen, z.B. als er die neunte Legiondeoimirte 'der zehnte Mann wurde hingerichtet) und an den Verbrechernsofort die Hinrichtung vollziehen liess, weil sie Geld zu fordern gewagtund sich zu der Drohung erkühnt hatten, dass sie die Feldzeichen weg-werfen wollten. Die härtesten Strafen waren meist die Entlassung oderVerstossung aus dem Heere, so z. B. als er einige Tribunen und Centu-rionen der zehnten Legion in Afrika im Jahre 46 auf der Stelle entliessund aus dem Heere jagte. Den besiegten Feind dagegen schonte er nichtim Mindesten; geschah einmal das Gegentheil, so hatte er dazu politischeGründe. Daher kam die unerhörte Strenge und Grausamkeit in vielenFällen gegen die Gallier, und die grosse Milde in Bezug auf Einige die-ses Stammes und besonders gegen die römischen Soldaten im Bürger-kriege. Seine Unempfindlichkeit und Gefühllosigkeit beherrschte sogarseinen Edelsinn, zu welchem er, als ein ungewöhnlich gebildeter Mann,in der That neigte und den er oft bewies, aber doch nur da, wo er durchdenselben irgend ein wichtiges Ziel erreichen konnte. Ganz anders Wal-es , wenn keinerlei Berechnungen und Erwägungen ins Spiel kamen,wie z.B. gegen Ambiorix und Vercingetorix. Das Land des Ersterenwurde erbarmungs- und schonungslos verwüstet, der Letztere in unwür-diger Weise gedemüthigt und hingerichtet.
Schon aus dem allerersten Eintritt Cäsar's in die politische undkriegerische Laufbahn, im Jahre 60, als Prätor in Hispanien konnte manleicht auf das schliessen, was bei wichtigeren Anlässen sich aus Cäsarweiter entwickeln werde. Schon damals in Hispanien fühlte er einiger-massen das Unangenehme und Schwierige seiner Lage und seufzte (nachPlutarch vergoss er Thränen, was zweifelhaft erscheint), als ereine Statue Alexander's des Grossen sah, bei dem Gedanken, was derLetztere bereits in dem Alter, worin Cäsar stand, Alles vollbracht hatte.Er (Cäsar) war Republikaner, aber sogar als solcher empfand er denUnterschied zwischen der hohen Stellung an der Spitze des Volkes unddem gänzlichen Verlieren im grossen Haufen dermassen. dass er sichäusserte! »er wolle lieber der Erste in einem Dorfe, als der Zweite inRom sein.« Dem entsprechend begann er auch damals schon in Hispa-nien zu handeln. Kaum hatte er die Ueberzeugung gewonnen, dass zurErreichung seines Lebenszweckes es kein anderes Mittel als den Krieggebe, so fing er damit an, dass er ausser den 20 in Hispanien vorgefun-denen Cohorten (zwei Legionen) noch zehn Cohorten (eine Legion) aus-hob, und mit dieser kleinen Armee nach dem südlichen oder bätischen