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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
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324 HI. Vom Tode Alex.ander's d. Gr. bis zn Augiistus (1*2330 v. Chr.).

schon diesem Standpunkte, so um weit mehr seine Belohnungen und Be-strafungen. Bei seinen Belohnungen hatte er den Zweck, durch Aner-kennung geleisteter Dienste die Uebrigen /Air Nacheiferung anzuregen,sie dadurch au sich zu fesseln und dauernd die allgemeine Gunst für sichzu gewinnen. Indem er die Zahl der ihm Dankbaren vermehrte, ver-grösserte er zugleich die Zahl seiner Anhänger und band sie enger undfester an sich, während zugleich seine kriegerische Begabung und seinGlück die Soldaten an ihn fesselte. Sein Verhalten zu diesen Letzterenzeugt besonders von seiner grossen Menschenkenntniss, durch die Aus-sicht auf ehrende Belohnungen, auf Avancement und Erlangung von Geldund Besitz verstand er sie anzureizen, durch Strenge sie in Anspannungzu erhalten, wann und wo diese Strenge nöthig war, und er hatte dazuein um so grösseres Recht, als er sich selbst nicht schonte und daher dasGleiche von Anderen fordern konnte. Ueberhaupt besass er in seltenemMaasse die Gabe sich die Zuneigung der Truppen zu erhalten, ohne da-bei sich das Geringste zu vergeben oder seine Macht Über sie einzubüsseu.Er zeigte stets die grösste Sorgfalt für sie, kleidete sie gut, gab ihnenmit Gold und Silber gezierte Waffen, gestattete ihnen einen gewissenLuxus mit guten Pferden, schönem Geschirr, werthvollen Rüstungen,und sagte oft, dass seine Krieger, wenn sie sich auch mit Wohlgerüchensalbten, dennoch gut zu kämpfen wüssten. Er sprach freundlich mitihnen und erlaubte ihnen, wenn es nicht in der Nähe des Feindes war,jede Art von Ergötzung und Zerstreuung, an denen er selbst nicht seltensich lebhaft betheiligte. Nach dem Unglücksfall mit Sabinus und Cottain Gallien Hess er seinen Bart, und Haare wachsen und schwor, nichteher wieder ein Scheerinesser zu gebrauchen, bis er Jene gerächt undGeuugthuung erlangt habe. Dafür waren aber auch seine Truppen ihmfanatisch ergeben. und das Entzücken, welches seine Kriegsthaten beiihnen erregte, war grenzenlos.

In der Nähe des Feindes dagegen handhabte er die Anforderungendes Dienstes mit besonderer Strenge. Da forderte er unaufhörliche Thä-tigkeit und gab seinen Truppen Tag und Nacht keine Ruhe, bei jederJahreszeit und jedem Wetter mussteu sie Dienst zu thuu geübt und be-reit sein. Muthlosigkeit, welche mitunter bei ihnen vorkam, strafte ermit Verachtung. Um so höher stand bei ihm und in seinem Heere Nameund Beruf des »Kriegers«: dies zeigte sich sehr deutlich bei Gelegenheitder Empörung der zehnten und der anderen Legionen in Rom imJahre 47, als er die Soldaten nicht Kameraden, sondern Quirites(Bürger) anredete. Durch diese stolze Hochhaltung des Standes wussfeer die Leidenschaften seiner Soldaten zu zügeln und zu lenken, und zwarum so gewaltiger, wenn sie sich seinem Willen entziehen wollten. Erfürchtete Nichts undNiemand, aber er erreichte, dass man ihn fürchtete.