47. Lebensende Cäsar's, allgemeine Betrachtungen und Schlüsse. 323
schlage, als er sich den Weg in den Senat gebahnt hatte, beschämte alleSchwarzseher, beseitigte alle Gefahren und befestigte Cäsar in deröffentlichen Stellung, in welcher er nun rasch von Stufe zu Stufe zu denwichtigsten Aemtern emporstieg. Es wurde schon oben angeführt, wieer allmälig vorwärts kam. Die erste Stellung, in der er bereits alsselbstständiger Civilgouverneur und Truppenbefehlshaber erscheint, warseine Prätur in Südhispanien im Jahre 60, wohin er erst abreisen konnte,uachdem Crassus, der seiner als Gegengewicht gegen Pompejus bedurfte,für \, r> von Cäsar's ungeheuren Schulden*) Bürgschaft geleistet hatte,was eben beweist, wie wichtig Crassus Cäsar's Unterstützung für sicherachtete.
Uebrigens hatten auch andere Verbindungen ähnlicher Art mit ver-schiedenen Männern für Cäsar eine ganz andere Bedeutung, als sie sonstgewöhnlich zu haben pflegen. Sie entsprangen bei ihm nicht aus demGefühl, sondern aus dem Verstände, aus der Berechnung. So verstiesser seine erste verlobte Braut, um die Tochter des mächtigen China zuheirathen, und trennte sich später vou dieser nur deshalb nicht, um nichtdem Sulla zu gehorchen. Auch seine Freundlichkeit gegen die Menschenüberhaupt floss nicht aus herzlichem Gefühle, sondern aus dem Verstände,aus selbstsüchtiger Berechnung. Er liebte nur sich allein, die Andernnur in so weit sie ihm nöthig waren. Nicht Alle sehen dies in derselbenWeise an : die Einen erblicken darin eine besondere Kraft und Festigkeitdes Geistes, welche selten von Natur aus verliehen werde, die Andern,und zwar die Mehrzahl und mit grösserem Bechte, erklären es für kaltenharten Egoismus, der nur sich selbst berücksichtigt, alle Uebrigen alsseine Werkzeuge betrachtet und deshalb keine wahre herzliche Anhäng-lichkeit an sie kennt. Und so war Cäsar, was auch seine unbedingtenLobredner sagen mögen, deren es allerdings mehr giebt, als gerechte,wenn auch strenge Beurtheiler desselben. Wie hätte es auch zu jenerfiustern traurigen Zeit Korns anders sein können, wo alles Gefühl fürEdles, Hohes, für Ehre und Wahrheit versiegt war und nur der grenzen-loseste abscheulichste Egoismus herrschte. Und Cäsar war ein Kiudseiner Zeit, der ganze und volle Ausdruck dieser Periode, der um sohoher in dieser Beziehung über alle Uebrigen emporragte, je verschwen-derischer ihn die Natur mit aussergewöhnlichen Gaben des Geistes undWillens ausgestattet hatte.
Entsprachen aber seine persönlichen Zuneigungen und Attachemeuts
*) Es wurde oben ;§. 252) gesagt, dass Crassus für den fünften Theil von Cäsar'sSchulden Bürgschaft leistete, die 1300 Talente betrugen (1,600,000 Rubel), also für260 Talente. General Lossau meint, Crassus habe für nicht weniger als S20 Talente(über 000,000 Thlr.) Bürgschaft übernommen.
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