Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
Entstehung
Seite
322
Einzelbild herunterladen
 

322 HI. Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zu Augustus (32330 v. Chr.).

Zugänglichkeit, liebenswürdigen Verkehrsformen u. s. w.), in Entfaltungseiner grossen Gaben (Rednergabe u. s. w.", in Freigebigkeit bis zur Ver-schwendung weit über seine Mittel u. dgl. In letzter Beziehung ist nurdas merkwürdig, dass Cäsar sein ganzes Leben lang auf Geld und Reich-thüiner nur von diesem Gesichtspunkt aus Werth legte, nie aber sie alsMittel zu Lebensgenüssen betrachtete. Nicht sie, sondern Erlangungder Macht war ihm das höchste Gut des Lebens, alles Uebrigeverachtete er mit philosophischem Gleichmuth.

Alle seine Schritte und Handlungen, welche diesem Plane entspra-chen, waren von vorn herein von ungewöhnlichem Glück begleitet, einemGlück, an das er von Jugend auf blindlings glaubte, das er selbst seinGlück nannte, und das sogar in die Geschichte aufgenommen ist unterdem Namen Cäsar's Glück. Die wesentlichste Quelle desselben lagaber unzweifelhaft in Cäsar selbst, welcher bald durch Sanftinulh undNachgiebigkeit, bald durch Festigkeit des Widerstands gegen seineGegner, bald durch liebenswürdige Formen, Reden, Verschwendung u.s.w.es verstand, auf die Mehrheit des Volkes und Senates so zu wirken, dasssie in ihm einen hochbegabten, vielversprechenden Jüngling erblickten,der grosse Dinge zu vollbringen fähig und deshalb zur Bekleidung wich-tiger Aemter und Stellen würdig sei.

Die Geneigtheit und das Vertrauen des Volkes zu ihm äusserte sichmit Entschiedenheit schon damals, als er kühn das Andenken an Mariusanregte und verfocht und dadurch die Partei Sulla's dreist herausforderte.Das glückte ihm und lenkte die allgemeine Aufmerksamkeit auf ihn. undvon jetzt an machte er es sich zur beständigen Regel, kühn zu handelnund viel zu wagen, um desto mehr zu gewinnen. Später wurde er mitden Jahren ein wenig vorsichtiger, aber Kühnheit und ein allinälig wach-sendes Vertrauen zu sich selber waren und blieben seine Haupttrieb-federn, welche ihm das scheinbar Unmögliche zu vollbringen ermöglich-ten. So antwortete er dreist einmal einem politischen Rivalen, der ihm einegrosse Abstandssumme anbot, dass er selber eine weit höhere Summebesitze und ihm zahlen wolle. So sagte er ein ander Mal zu seiner Mutter:»Heute wirst du mich entweder als Pontifex Maximus oder als aus RomVerbannten wiedersehen.« Ein solcher Gegner mochte Vielen gefährlicherscheinen, und er war es in der That. Eine solche Vereinigung grosserEigenschaften und Gaben, einschmeichelnden Wesens, grandioser Frei-gebigkeit, mit Unerschöpflichkeit der äusseren und inneren Mittel beganneinzelnen Personen des Senates und der höchsten Kreise der Gesellschaftgefährlich zu erscheinen, Allen Aufmerksamkeit zu verdienen, Vielenaber zum Mittel zu werden, dem sie sich anschlössen, um ihre Bedürf-nisse oder Hoffnungen zum Ziele zu führen. Aber die gutherzige Artund Weise Cäsar's, die Milde und Humanität seiner Meinungen und Rath-