Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
Entstehung
Seite
321
Einzelbild herunterladen
 

47. Lebensende Oäsar's, allgemeine Betrachtungen und .Schlüsse. 321

unumschränkten Macht im römischen Staate. Demzufolgeerwog und handelte er, so zu sagen, schon ganz wie ein Monarch, An-fangs wie ein zukünftiger, nach Pharsalus aber bereits wie ein wirk-licher. Aber zwischen den Triebfedern und Handlungen Alexander's d. Gr.und den seinigen bestand eine grosse Verschiedenheit, wie aus der frü-heren Darlegung derselben deutlich hervorgeht. Was Hannibal anbe-langt, so kann man Cäsar in dieser Beziehung gar nicht mit ihm verglei-chen , weil Ersterer ein seiner Regierung vollkommen untergeordneterund von ihr abhängiger Feldherr war, dem nur das eine Ziel vorschwebteKom zu demüthigcu und Karthago darüber zu erheben, der aber durch-aus keine weiteren herrschsüchtigen Pläne verfolgte.

Von diesem Gesichtspunkte aus muss man alle Thaten Cäsar's, diepolitischen mit den kriegerischen gemeinschaftlich in's Auge fassen, wäh-rend der ganzen Dauer seiner Kriege und Feldzüge, schon von seinerersten Befehlsführung an, als Prätor im Jahre 60 in Hispauien. DieWurzel aber von dem Allen lag noch tiefer schon in den ersten Jugend-jahren Cäsar's, als er kaum dem Knabenalter entwachsen war.

Neben den ungewöhnlichen Naturanlagen, welche durch die sorg-fältige Erziehung und Bildung Cäsar's von seinem frühesten Alter anentwickelt wurden, entfaltete sich schon früh in ihm ein Streben nachSelbständigkeit, nach Unabhängigkeit, schliesslich nach Macht und Herr-schaft. Dies war natürlich und begreiflich , denn Cäsar hatte gar baldin sich selbst die Energie des Geistes gefühlt, als er die schwere Prüfungzur Zeit der Verfolgung durch Sulla durchzumachen hatte, und die Kraftdes Verstandes, vermittelst welcher er die Menschen durchschaute underkannte , dass sie nicht im Stande waren, dasselbe zu leisten, was erwährend jener Verfolgungen leistete. Daher auch sein früher Ehrgeiz,sich über den grossen Haufen zu erheben, natürlich und nicht etwa nurein Erzeugniss seiner Jugend, denn er hatte schon hinlänglichen Grunddazu. Einen Beweis dafür, dass Cäsar schon zu dieser Zeit seinesjugendlichen Alters aus der Reihe der gewöhnlichen Menschen bedeutendhervortrat, giebt der Umstand, dass Sulla wie Cicero ihn richtig erkann-ten und ihre Aufmerksamkeit darauf richteten, wie Cäsar in Rom Auf-sehen zu erregen und die öffentliche Meinung zu seinen Gunsten zu stim-men trachtete.

Sein bereits zu dieser Zeit fest gefasster und richtig combinirter, inder Folge aber mit Consequenz und Festigkeit durchgeführter Plan be-stand darin, dass er um jeden Preis vorwärts, höher hinauf gelangen,seinen Nebenbuhlern den Rang ablaufen und sich die Neigung des Vol-kes gewinnen wollte. Alle Mittel dazu galten ihm gleich, in Ansehungderselben war er nicht wählerisch, wenn sie ihn nur zum Ziele führten.So suchte er sie in äusseren einnehmenden Formen (Putz, Höflichkeit,

Galitziu, Allgem. Kriegsgeschichte. I, 4. 21