Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
Entstehung
Seite
310
Einzelbild herunterladen
 

310 HI. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (32330 v. Chr.).

Cäsar unzweifelhaft dem Pompejus überlegen war, so kann man kaumdarüber im Zweifel sein, dass der Erstere mit vollem Bewusstsein an dasWerk ging und darin durch die Stärke seines Charakters und die vonihm erworbene bedeutende Erfahrung bestärkt und unterstützt wurde.

Das energische Vorgehen und Verhalten Cäsar's vom Eubicon bisBrundisium war ganz das richtige gegenüber solchem schwächlichenGegner und gegenüber einem Volke, das sich schon grösstentheils zuCäsar hinneigte. Die Plötzlichkeit des Angriffs machte den Sieg bereitsvollkommen, als die gesammte pompejanische Partei noch nicht klar be-griffen hatte, was eigentlich vorgehe. Vor Allem bemerkenswerth ist,und es spricht für die gänzliche geistige Ohnmacht des Pompejus, dasser unthätig bleiben und ruhig der Eroberung Hispaniens durch Cäsar zu-schauen konnte. Unentschieden bleibt ausserdem die Frage, weshalbCäsar den Angriff des Pompejus in Griechenland aufschob. Dabei scheintes doch unzweifelhaft, dass, wenn der Sieg von Pharsalus gleich aufPompejus' Entfernung aus Italien nach Griechenland gefolgt wäre, diefolgenden Kriege und Feldzüge Cäsar's bedeutend leichter und rascherzu Ende geführt sein würden. Die Feinde Cäsar's wären ihres Hauptesund Führers beraubt gewesen, und obgleich Pompejus wenig oder nichtsthat, um alle seine Widerstandsmittel und Kräfte zu einer Einheit zusam-menzubringen, so durfte unter den obwaltenden Umständen doch selbstdiese kleine Wirksamkeit nicht unterschätzt werden, und Cäsar hättesich dann mit vollem Rechte für den obersten Machthaber über alle KräfteRoms, seine Gegner aber nur für die Führer von politischen Parteienerklären können.

Im ersten Feldzuge Cäsar's gegen Afranius und Petrejus in Hispa-nien ist besonders das Ende merkwürdig, als Cäsar diese Legaten zumIberus und zurück verfolgte, nur durch Manöver und fortificatorischeEinschliessungen gegen sie operirte, und seine aussergewöhnliche That-kraft, zugleich aber eine Ueberlegtheit und selbst Grossmuth in seinemVerhalten zeigte, das sich nur aus seinen persönlichen politischen Be-weggründen erklärt. Hätte er nicht Römer gegen sich gehabt, er würdekaum so glimpflich mit ihnen verfahren sein.

Der Feldzug in Griechenland gegen Pompejus selbst zeigt sehrscharf und hell die Kühnheit, Willenskraft und die eminente kriegerischeBegabung Cäsar's. Schon die Landung Cäsar's in Epirus mit kaum20,000 Mann war ein so kühnes, ja verwegenes Unternehmen, dass nurdem Gelingen desselben der folgende ebenso, wenn nicht noch mehrkühne und verwegene Gedanke Cäsar's entspringen konnte, nach seinerVereinigung mit Antonius den Pompejus durch ausgedehnte Verschan-zungslinien bei Dyrrhachium einzuschliessen, ein Gedanke, zu welchemihn gleichfalls die Unthätigkeit des Pompejus führte, bis ein Misserfolg