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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
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309
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4(>. Art und Kunst der Kriegführung Cäsar's (4945 v.Chr.). 309

entsagen Avollte, jetzt die Frage um Sein oder Nichtsein entstand.Cäsar konnte unmöglich dem Pompejus weichen oder sich unterstellen,und damit war für den Letzteren sein unvermeidliches, unabweislichesSchicksal entschieden. Selbst wenn man den Fall setzt, dass Pompejusin richtiger Würdigung seiner Lage Cäsar gegenüber sich eher, als die-ser, hätte zur Niederlegung der Gewalt entschliessen können, so würdejedenfalls Cäsar doch diejenigen römischen Republikaner haben bekrie-gen müssen, welche in ihm nur einen Usurpator der Macht und denFeind der Freiheit erblickten und möglicher Weise einen Anderen anseiner Stelle erwählt hätten. Cäsar dagegen würde, selbst wenn er dieAusführung seiner Pläne hätte hinausschieben und seinen Platz dem er-sichtlich schwächeren Gegner einräumen wollen, gezwungen gewesensein, entweder alle seine unzweifelhaften Thaten zu verläugnen, odersie der Vergessenheit anheim zu geben. Pompejus hatte gewissermassennoch eine freie Wahl, Cäsar aber keine andere als den Tod. wenn ernicht um sein Leben, um seine Existenz, d. h. also in seinen Augen umdie höchste Gewalt kämpfen wollte*). Pompejus konnte wählen, ob erfrüher oder später zu Falle kam, vermeiden Hess sich der Fall nicht,welche Ereignisse auch eintreten mochten. Cäsar hingegen drohte vomSchicksal nur eine gewaltsame Zerreissung der Pläne seines ganzenLebens. Vielleicht hatte er eine Vorahnung davon, als er nicht langevor seinem Ende auf die Frage, »welches der beste Tod sei ?« sogleich mitlauter Stimme antwortete: »ein möglichst plötzlicher«.

Ueberblickt man im Allgemeinen das Verhalten Cäsar's und desPompejus, so springt in die Augen, dass der Letztere in keiner Weiseauf die losbrechenden Ereignisse gefasst und vorbereitet war, ja selbstnicht klar wusste, was er wollte. Cäsar dagegen sah nicht nur den ent-scheidenden Augenblick herannahen, sondern er war auch über alle Be-wegungsgründe seines Verhaltens vollkommen im Klaren. Dies abermusste auf den Willen eines Jeden der beiden Rivalen in vollkommenverschiedener Weise einwirken. Die Zeit der Anspannung seiner Kräftewar für Pompejus längst vorüber, die lange Reihe von Jahren, welche erim Frieden und inmitten politischer Intrignen zugebracht hatte, konntenur in jeder Beziehung schädlich auf ihn gewirkt haben. Cäsar hingegenkehrte soeben erst aus einem Kriege zurück, welcher alle seine Kräfteacht Jahre lang in Anspannung gehalten hatte. Rechnet man endlichhierzu die Begabung und die Willenskraft der beiden Gegner, worin

*) Cäsar fühlte und meinte dies, als er, nach Plutarch's Worten, beim Eintrittin des Pompejus Lager nach der Schlacht bei Pharsalus sagte : »Ich, Cäsar , würdenach so vielen Siegen und ruhmreich beendeten Kriegen, wenn ich mein Heer ent-lassen hätte, dem Tode verfallen sein !"