"298 HI. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (1)23—30 v. Chr.).
dass er unzeitgemäss war, verlängerte den Krieg um ganze fünf Monateund kostete Cäsar ausser dem grossen Zeitverlust auch noch viele Müheund Opfer. Und wenn er endlich überall und über Alle siegte, so ver-dankt er dies lediglich seiner ausserordentlichen Feldherrnkunst, der dieungeschickten und fehlerhaften Operationen seiner Gegner nur zu stattenkamen.
Bemerkungen aus Anlass eines jeden von seinen Kriegen: des Bür-gerkrieges in Italien, Hispanien, Griechenland, des alexandrinischen,afrikanischen und letzten hispanischen Krieges, wurden bereits an denbetreifenden Stellen gemacht. Hier soll noch die eigentliche Art undKunst der Kriegführung Cäsar's im Bürgerkriege betrachtet werden.
Auch in diesem Kriege blieb Cäsar den Regeln getreu, welche er inGallien befolgt hatte, indem er einen Eroberungskrieg führte, einegeschickte Kriegspolitik als Hülfsmittel anwendete, und je nachUmständen bald defensiv, bald und häufiger offensiv-defensiv,und vorzugsweise offensiv verfuhr, und zwar nicht blos im Frühling,Sommer und Herbst, sondern auch im Winter, wozu ihn sein Bestrebenveranlasste, seinen Gegnern zuvorzukommen und sie anzugreifen bevorsie sich verstärken und festsetzen konnten. So eröffnete er die Feldzügegegen Pompejus in Italien undEpirus, gegen Scipio in Afrika, und gegendie Söhne des Pompejus in Hispanien sämmtlich im Winter. Aber daswaren Ausnahmen von der Regel, wonach die Truppen für den Winterin Lager oder Winterquartiere gelegt wurden.
Die Erlangung von Nachrichten über Oertlichkeit und Feind, vorund während dem Kriege, war hier weniger schwierig für ihn, als inGallien, Germanien und Britannien, weil die Gegenden, in welchen dieseKriege geführt wurden, römische Provinzen oder, wie Aegypten, denRömern verbündet und daher ihnen mehr bekannt waren, und weil Cäsarim Heer und im Volke immer Anhänger fand, welche ihn in beidenBeziehungen und in Gestalt von Kundschaftern, Ueberläufern u. s. w.mit Nachrichten versorgten. Denselben Vortheil hatte allerdings auchPompejus und dessen Partei, wenn auch in geringerem Maasse (so z. B.gaben die beiden allobrogischen Gallier, welche bei Dyrrhachium zuPompejus übergingen, diesem sehr wichtige Kunde). Im Allgemeinenbediente sich Cäsar zum Einholen von Nachrichten über Feind und Ter-rain derselben Mittel wie im gallischen Kriege, vorzugsweise seiner vor-trefflichen Avantgarden-Cavallerie, welche er zu diesem wie zu anderenZwecken weit besser zu gebrauchen verstand, als seine Gegner.
Obgleich Cäsar in Hispanien, Griechenland und Afrika, selbst inAegypten nach römischem Muster geschulte Soldaten, und nur in denCampagnen gegen Pharnaces und in Afrika zum Theil barbarische,d. h. asiatische und afrikanische Truppen gegen sich hatte, so war er