4rt. Art und Kunst clor Kriegführung Cäsar's (49—45 v. Chr.). 297
gegen Pharnaces und die Ereignisse in Rom hielten ihn wiederum einganzes Jahr auf, sodass die pompejanische Partei Zeit gewann, sich inAfrika zu verstärken und festzusetzen. Es war das ein grosser Fehlerseinerseits, und es kostete ihm sehr viel mehr Mühe diese Partei jetzt,ein Jahr später, in Afrika zu besiegen, als es ein Jahr früher, d. h. gleichnach der Schlacht von Pharsalus gekostet haben würde.
Aus dieser Verzögerung musste er auch wieder im Herbste nachAfrika überschiffen, als die Stürme seine Flotte zerschellen konnten unddas Meer in Scipio's Gewalt war. In der That zerstreuten die Stürmeseine Schiffe und es wiederholte sich an der afrikanischen Küste das-selbe, was an der von Epirus geschehen war, nur mit noch weit grössererMühsal, Gefahr und Nachtheil für Cäsar. Mit geringen Kräften, welchennur nach und nach Verstärkungen zuwuchsen, hielt er sich so lange höchstgeschickt auf der Defensive gegen die überlegene Macht Scipio's, bis,nachdem die beiderseitige Streitmacht ziemlich gleich geworden, er zuthatkräftiger offensiver Vertheidigung bei Rus'pina und Ucita überging.Aber der Mangel an Lebensmitteln veranlasste ihn zur Ausführung einerAngriffsbewegung gegen Thapsus, und hier gelang es ihm nach vielenerfolglosen Versuchen endlich, den Scipio zum Kampf auf der Ebene zuzwingen und einen entscheidenden Sieg über ihn davon zu tragen,eigentlich in Folge eines gegen seinen Willen von seinen eigenen Trup-pen aus freiem Impulse gemachten Angriffs.
Die Trümmer der pompejanischen Partei, mit den Söhnen des Pom-pejus an der Spitze, warfen sich nach Hispanien und dorthin richteteCäsar gegen sie seine letzten Angriffsoperationen, welche nach ge-schicktem Manövriren am Bätis mit dem entscheidenden Siege in derheissen Schlacht bei Munda und der Unterwerfung von ganz Hispanienendeten; dies Alles zusammen hatte indessen über ein halbes Jahr inAnspruch genommen.
Dies war im Allgemeinen der Verlauf des Bürgerkrieges, welcherdoppelt so rasch hätte zu Cäsar's Gunsten entschieden sein können,wenn dem nicht drei Hindernisse entgegengestanden hätten: 1) und2) die späte Ueberfahrt Cäsar's im Herbst oder Winter nach Epirus resp.Afrika, und namentlich 3) der alexandrinische Krieg mit dem Feldzuggegen Pharnaces, der zwischen beiden andern Kriegen liegt. Und diesedrei Hindernisse entstanden nicht etwa durch zufälliges Zusammentreffenvon Umständen, sondern durch Fehler Cäsar's. Wäre er vor dem Herbst49 nach Epirus und von da im Frühjahr 48 nach Afrika übergefahren,so würde ihm möglicher Weise gelungen sein, den Pompejus und dessenPartei bis zum Ende des Jahres 48 zu überwinden. Seine späte Ueber-fahrt nach Epirus und Afrika und besonders der alexandrinische Krieg,von Napoleon I. mit Recht ein unglücklicher genannt in dem Sinne,