Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
Entstehung
Seite
294
Einzelbild herunterladen
 

294 HI. Vom Tode Alexander'« d. Gr. bis zu Augustus (32330 v. Chr.).

die Mittel auf beiden Seiten: und zwar dienten als solche die politi-schen Parteien, welche auf der Seite des Pompejus resp. Cäsar's stan-den, und auf welche diese sich stützten. Zu des Pompejus Partei ge-hörte die bedeutende Mehrheit sowohl des römischen Senates und derAristokratie, d. h. also der angesehensten und vornehmsten Personen inRom und dem ganzen Staate, welche die wichtigsten Aemter bekleidetenund die ganze Macht, alle Kräfte, Mittel und Hlilfsquellen des Staates inHänden hatten, als auch des nach dem Gesetze ihnen unterstellten undunterwürfigen Volkes und Heeres, die allerdings insgeheim mehr zuCäsar als zu Pompejus hinneigten. Die Partei Cäsar's dagegen bestandaus der Minderheit des Senates und der Aristokratie, und thatsächlichaus der (der Gesinnung nach) erheblichen Mehrzahl des Volkes und derTruppen; das Volk in Rom, in ganz Italien, ja im gesammten Reichestand ganz und voll auf Cäsar's Seite, das Heer anfänglich nur mit demKern, dem besten Theile, der Hauptkraft, nämlich der schlachterprob-ten, zwölf Legionen starken Armee, mit welcher Cäsar Gallien besiegthatte, zu welcher später noch viele andere Truppen hinzutraten.

In erster Linie aber gehörten zu den Mitteln beider Parteien diepersönlichen Eigenschaften des Pompejus und der nach seinemTode auftretenden Führer seiner Partei, und Cäsar's. Pompejus, durchden aussergewöhnlichen Glanz seiner früheren Thaten, Siege und die demStaate geleisteten Dienste verblendet, Pompejus, den, wie Napoleon I.sagt, die Römer so liebten und den Grossen genannt hatten, war nichtannähernd mehr der er sonst gewesen, er hatte, sozusagen, sichselbst überlebt. Von ungemessenem Ehrgeiz, Selbstvertrauen, Hoch-muth und Herrschsucht beseelt, besass er doch nicht mehr seine alteEnergie, war nur noch ein Werkzeug des Senats und des Adels, welchealle seine Thaten lenkten und in ihrer thörichten Verblendung über ihreKräfte, wie im blinden Hass gegen Cäsar den Pompejus zu Nichts alsFehlern verleiteten und schliesslich ihn und sich selber ins Verderbenführten. Dasselbe, oder wenigstens fast dasselbe gilt auch von denFührern der pompejanischen Partei nach des Pompejus Tode. Der be-deutendste derselben, Scipio, glich dem Pompejus im Mangel an Ener-gie und Geschick. Cato, der an Verstand, Charakter und moralischemEinfluss über Allen stand, brachte diese Eigenschaften nicht 'in Anwen-dung und nahm sich, alle Hoffnung aufgebend, kleinmüthig und nutzlosdas Leben. Labienus zeigte viel Energie, aber wenig Klugheit undKunst, nur Feindschaft und Hass gegen Cäsar. Die Söhne des Pompe-jus, Sextus und besonders Cnejus, zeigten anfänglich hinlänglicheEnergie, Unternehmungsgeist und Kühnheit, sie schienen vielverspre-chend für ihre Partei, aber auch sie endeten mit Fehlern, Verzagtheitund schmählicher Flucht, als noch keineswegs Alles verloren war. Alle