280 HI. Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
(über welche Napoleon sich vordem ausspricht) trägt dagegen solch ori-ginalen Charakter, dass sie eine besondere Beachtung verdient. Alleweiteren Handlungen Cäsar's bis zur Schlacht bei Thapsus zeigen ihn alseinen Feldherrn von festem Willen und reifer Erfahrung, seine Expedi-tion nach Zeta ist ausserdem ein so kühnes Wagniss, dass weder vorhernoch nachher in Cäsar's Unternehmungen sich etwas Aehnliches findenlässt, und selbst die neuere Kriegsgeschichte Gleiches kaum bei Partei-gänger-Corps, geschweige denn bei ganzen Armeen aufzuweisen hat *).
Nachdem Cäsar's Armee bis auf zwölf Legionen angewachsen,zögert er zu lange die Schlacht zu eröffnen, fast als ob er kein Vertrauenzu seinem Glück hätte. Aus einigen schwierigen Treffen mit dem Feinde,in die er verwickelt wird, glaubt er ungünstige Chancen für sich ableitenzu müssen. Das konnte aber für eine allgemeine Schlacht gar keine Be-deutung haben, weil Scipio's wie Juba's Legionen doch denen Cäsar's zubedeutend nachstanden, um ihnen hartnäckigen Widerstand leisten zukönnen **).
Man muss im Allgemeinen sagen, dass Cäsar's Unternehmungen inAfrika mit seinen Thaten in Hispanien und Griechenland, d. h. in demBürgerkriege römischer Soldaten gegen einander, in einigen PunktenAehnlichkeit, in andern Verschiedenheit zeigen. Sowohl in Afrika, wiein Hispanien und Griechenland sucht er seine Gegner nicht durch ent-schiedene den Kampf bezweckende Actionen zu überwinden, sondernvorzugsweise durch Manöver auf ihre Flanken und Verbindungen mit derAbsicht, entweder sich ihrer Magazine zu bemächtigen, oder ihnen dieMöglichkeit zur Erlangung von Lebensmitteln zu benehmen, oder haupt-sächlich sie aus dem bergigen durchschnittenen Terrain in die Ebeneherabzulocken, oder sie zu irgend welcher fehlerhaften Bewegung zuveranlassen und diese ausnutzend sie dann anzugreifen und zu schla-gen. Diese letztere Absicht Cäsar's scheint einerseits nicht zu bezwei-feln, denn auf andere Weise war der Krieg eben nicht zu beenden;andererseits aber zeigt Cäsar dabei doch eine gewisse Unsicherheit, einZweifeln, Nichtwünschen, und in Folge dessen ein Schwanken. Diestritt am deutlichsten in dem allerentscheidendsten Augenblicke des gan-zen Krieges, vor dem Beginn der Schlacht bei Thapsus hervor. Schonstanden beide Heere einander gegenüber in Schlachtordnung, schon hatteCäsar alle Massregeln zur sichersten Ueberwältigung des Gegners ge-troffen, seine Truppen begrüsst und durch eine Bede angefeuert, undnun zögert er das Signal zum Angriff zu geben, ungeachtet der Bittenund Vorstellungen seiner Offiziere und der Ungeduld, ja des Missmuthsseiner Soldaten, indem er sagt solche Art des Angriffs (d.h. gegen
Lossau. — **) Napoleon I.