278 III. Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.)-
einbringen, aber er entfaltete sie zu heftig und ohne genügende klugeVorsicht. Die klare Notwendigkeit und seine lebhafte Ungeduld, sorasch als möglich in Afrika zu erscheinen und zu siegen, vielleichtebenso zu siegen, wie über Pharnaces (d. h. kommen, sehen und siegen)führte ihn abermals in dieselbe Lage, welche er schon einmal, zur Seeund in Epirus gegen Pompejus in den Jahren 49—48, so sehr zu seinenUngunsten durchgemacht hatte. Mit nur sechs Legionen und 2000 Rei-tern, d. h. nur mit einem Theil seiner Truppen geht er auf einer im Ver-hältniss zur Scipionischen viel schwächeren Flotte von Lilybaeum in Sici-lien nach Afrika in See, gerade während der stürmischsten Herbstjahres-zeit, wo, wie er selbst wusste und Alle ihm sagten, die Schifffahrt ge-fährlich war. Und diesmal, gleichsam um ihn zu strafen, wandte sichdas Glück von ihm ab: der Sturm zerstreut seine Flotte, und mitkaum 4000 Mann landet er auf wenigen Schiffen in der Nähe von Ru-spina. Und gut war es für ihn, dass sich dort nur ein schwacher Theilder Kräfte Scipio's befand und zwar unter Befehl des Considius, welcher,anstatt Cäsar mit einmal zu erdrücken, sich selbst in Hadrumetumeinschloss und verschanzte. Auf den ersten Alarm aber fing Scipioschon an seine an Zahl überlegene Armee zusammenzuziehen und diri-girte sie nach Ruspina, eine Hälfte mit Labienus, dem geschworenenFeinde Cäsar's, voraussendend.
Es sind aber vorher noch einige Worte über Cäsar's Ueberfahrt nachAfrika zu sagen. Guischard tadelt Cäsar, dass er nicht die Versamm-lung aller seiner Streitkräfte zu Lande und zur See abgewartet habe unddann mit allen auf einmal abgesegelt sei. Er würde dadurch die stür-mische Jahreszeit auf dem Meere vermieden und bei seiner Ausschiffungseine ganze Macht bei sich gehabt haben. Nachdem doch schon 1 % Jahreverloren waren, wäre es besser gewesen, noch ein und selbst zwei Mo-nate dran zu geben und dann mit der gesammten Streitmacht in Afrikazu erscheinen, als in Folge der Ueberstürzung vier Monate lang dort fastimmer schwächer zu sein, als Scipio. Aber dem tritt General Lossauentgegen, indem er sagt, dass dies unmöglich gewesen sei und zu vielZeit in Anspruch genommen haben würde. Indessen scheint die AnsichtGuischard's hier doch die richtigere zu sein.
Hirtius Pansa, der das Buch vom afrikanischen Kriege Cäsar's ge-schrieben hat, sagt, Cäsar habe seiner Flotte keinen Sammelplatz an derafrikanischen Küste bezeichnet, weil er nicht gewusst habe, welcherPunkt wohl als von der feindlichen Flotte nicht besetzt anzugeben seinmöge. Napoleon I. wendet aber ein, dass diese Angabe eines so wenigfähigen Darstellers der Thaten Cäsar's, wie Hirtius Pansa, eine Unge-reimtheit sei, die keine Widerlegung verdiene. »Scipio«,sagt er, »war in Utica und beherrschte die ganze Nordküste Afrika's bis