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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
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44. Dritter röm. Bürgerkrieg zwischen Cäsar u. Pompejus (4945 v. Chr.). 277

aufsNeueab von der letzten Niederwerfung der pompejanischen Par-tei in Afrika, d. h. also dort, wohin er sich sogleich nach der Schlachtbei Pharsalus hätte begeben müssen. Aber gerade dort hatte im Laufevon 174 Jahr, von dieser Schlacht bis zur Landung Cäsar's in Afrika diepompejanische Partei sich ganz ebenso zu verstärken vermocht, wie vor-dem Pompejus in Griechenland selbst, und um sie in Cäsar's Art zu be-siegen, waren auch entsprechende Kräfte und besonders Cäsar's Feld-herrnkunst erforderlich. Und das wäre nicht der Fall gewesen, wenn,nach Napoleon's I. Meinung, Cäsar nach Besiegung der pompejanischenLegaten in Hispanien und dann des Pompejus selbst in Griechenlandsich sogleich nach Afrika gewandt und nach leichter Niederwerfung despompejanischen Legaten Varus den Krieg schon 3 Jahre früher zu seinenGunsten entschieden hätte. Wem ist nun die Schuld beizumessen, dassAlles ganz anders kam"? Dem besonderen Zusammentreffenvon Umständen, d. h. also dem blinden Zufall? oder denFehlern Cäsar's? oder seiner Feldherrnkunst? oder endlichseinem Glück? Aber dem blinden Zufall Alles zuzuschreiben, dasist bei einem so grossen Feldherrn wie Cäsar unmöglich; seine Kunstund sein Glück besonders waren unzweifelhaft; aber man kann dochnicht umhin, auch seinen Fehlern einigen Antheil zuzusprechen, denn,obschon ein grosser Mann, war er dennoch eben nur ein Mensch,und als solcher konnte er nicht frei sein von menschlicher Schwachheit,konnte und musste er Fehler begehen. Er selber in seinen Schriftenund ein Theil seiner unbedingten Lobredner, wie sie unter seinen Com-mentatoren vorkommen, verkleinern entweder seine Fehler, wennschonsie sie als augenscheinlich erkennen, oder sie suchen sie auf alleWeise zu entschuldigen und zu rechtfertigen. Einige derselben aber, anihrer Spitze Napoleon L, auch Guischard u. A. verdecken und entschul-digen seine bewussten oder unbewussten Fehler nicht. Und im Inter-esse der historischen Wahrheit erscheint es gerechtfertigt, eine verstän-dige Mitte inne zu halten und ebenso alle seine Kunst anzuerkennen,wie seine Fehler zu bezeichnen. Im afrikanischen Kriege aber be-gegnen wir Beiden vielleicht in noch höherem Maasse als in den früherenKriegen und Feldzügen Cäsar's.

Sein erster und hauptsächlichster Fehler bestand, wie schon er-wähnt wurde, darin, dass er nach der Schlacht bei Pharsalus sich nichtgleich nach Afrika wandte. Nach seiner Rückkehr aus Kleinasien nachRom zu Anfang des Herbstes 47 erwachte Cäsar beim Heran-nahen der Gefahr [Gesar se reveilla au bruit du dang er), bemerktsehr wahr und treffend Napoleon L, er erwachte also vom Schlafe;anders wird man es kaum nennen können. Und wiederum, wenn auchspät, entfaltete er eine Thätigkeit, als wolle er die verlorene Zeit