42. Dritter röm. Bürgerkrieg zwischen Cäsar u.Pompejus (49—45 v.Chr.). 229
im ersten günstigen Augenblicke mit einer schwächeren Armee einestärkere anzugreifen, selbst wenn diese von einem so unentschlossenenManne geführt werde, als den sich Pompejus gezeigt hatte. DieserEntschluss war für Cäsar sehr gewagt, weil damit die Entscheidung derFrage um Sein oder Nichtsein für ihn zusammenhing. Jetzt sah ersein Endziel schon klar vor Augen, ebenso aber auch die Notwendig-keit, entschieden auf dasselbe loszugehen. Dazu gehörte eine unge-wöhnliche Willenskraft, aber ein Mann wie Cäsar litt daran keinenBlangel, und bei dieser Gelegenheit zeigt er sie in vollem Maasse, dasUebrige seinem Glücke anheimstellend. Die Erwägungen des Ver-standes standen schon in zweiter Linie, wenn auch als Hülfsmittel. Miteinem Wort, aus dem Urtheil des Generals Lossau über diesen Gegen-stand geht hervor, dass Cäsar in diesem Falle, gleich Alexander demGrossen, TTannibal und allen grossen Feldherren in ähnlichen Lagen, dieEnergie des Willens über die Erwägungen des Verstandes das Ueberge-wicht erlangen Hess und den gefassten Entschluss höher stellte als alleBedenken, die mit Unentschlossenheit, Zweifel, Schwanken u. s. w. ge-paart sein konnten. Dieser Entschluss brachte, nach General Lossau,Cäsar auch wieder auf den rechten Weg, auf dem er fortan mit dergrössten Energie vorwärts ging. Bei Metropolis anhaltend, erwarteteer den Pompejus, um zunächst gegen ihn zu manövriren und dann imgünstigen Augenblick ihn anzugreifen. Pompejus aber rückte ihm vonselber entgegen, und nun begann Cäsar, ihm näher auf den Leib rückend,ihn zum Kampfe herauszufordern, zu dem Pompejus sich endlich auchentschloss und der dann bei Pharsalus in der oben beschriebenen Weisevor sich ging. In dieser Schlacht verdienen auf Seiten Cäsar's zweiDinge besondere Beachtung: 1) die Bildung und Aufstellung der sechsReserve-Cohorten, und 2) das Erfassen des richtigen Augenblicks fin-den Befehl zum Angriff auf des Pompejus Reiterei, was auch den Siegentschied. »Ueberhaupt«, schliesst General Lossau, »zeigt sich der freieBlick Cäsar's, sein Scharfsinn, seine Entschlossenheit und Thätigkeitwährend der ganzen Zeit von dem Kampfe bei Dyrrhachium bis zurSchlacht bei Pharsalus und nachher unstreitig im hellsten Lichte.« Undganz denselben Charakter trug die rasche unermüdliche Verfolgung desPompejus bis nach Aegypten.
Hinsichtlich des beiderseitigen Verlustes bei Pharsalus bemerktNapoleon L, dass derselbe sehr begreiflich sei, und dass in allenSchlachten der Alten sich ein ähnliches Verhältniss zwischen der Einbussedes Besiegten und des Siegers herausstelle, wie das ja in der Beschaffen-heit der damaligen Nah- und Fernwaffen begründet liege. Die Armeender Alten mussten aus in körperlichen Uebungen vorzugsweise tüchtigenLeuten zusammengesetzt werden, und diejenigen Heere, welche aus