228 HI. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
liehe Kühnheit seiner Meerfahrt nach Epirus und seiner Einschlies-sung des Pompejus bei Dyrrhachium. Allein Napoleon's Ansicht istweit zutreffender als solche Bewunderung, denn ganz unzweifelhaftverliess sich bei diesen beiden Unternehmungen Cäsar viel zu sehr aufsein Glück und zeigte mehr Kraft des Willens als des Verstandes, mehrEnergie als Berechnung, oder mit anderen Worten, er machte grobeFehler, für welche er, wie Napoleon ganz richtig bemerkt, auch ge-straft wurde.
Hinsichtlich der ungeheuren fortificatorischen Arbeiten Cäsar's beiDyrrhachium bemerkt Napoleon, dass bei dem damaligen Standpunktder blanken Waffe und des Wurfgeschützes sie vollständig ihren Zweckerfüllten, dem sie heute nicht mehr genügen würden. »Spaten undHacke«, sagt er, »waren zu jener Zeit dem Soldaten ebenso nöthig wieSchild und Schwert«.
General Lossau (Ideale der Kriegführung etc.) sagt, dass unterallen Operationen Cäsar's in Griechenland besonders zwei Momente Be-achtung verdienen: seine Mass regeln bei Dyrrhachium und seinEntschluss bei Pharsalus. Bezüglich des Ersteren sagt Lossau: »Eserscheint befremdlich, dass ein Feldherr wie Cäsar bei der Lage, in derer sich zu Pompejus befand, den Entschluss fassen und hoffen konnte,den Pompejus nicht durch den Kampf, sondern durch Einschliessungvermittelst verschanzter Linien zu überwinden. Aber mit einer zur Be-setzung und Vertheidigung der zu weiten Linie, auf welcher er nirgendsstark genug war, ganz unzureichenden Armee war dies für ihn ausser-ordentlich schwer. Deshalb war das Misslingen und die Niederlage fürsein Heer ein Unglück, für ihn selbst aber ein Glück, weil es ihn vomfalschen Wege ab und auf den richtigen brachte. Ein Glück für ihn wares auch, dass Pompejus gegen ihn stand, welcher beständig dem Kampfeauswich und nur zufällig einen Theil von Cäsar's Heer auf einem Punktevon dessen Linie besiegte, während er leicht mit der Hauptmacht dieseLinie an jedem beliebigen Punkte hätte durchbrechen und dem Cäsareine bedeutende, ja entscheidende Niederlage beibringen können.« Be-züglich des Entschlusses Cäsar's, dem Pompejus bei Pharsalus eineSchlacht zu liefern, sagt General Lossau, dass vom 24. Mai, dem Tageder Schlacht bei Dyrrhachium, bis zum 29. Juni, Datum der Schlachtbei Pharsalus*), dieser Entschluss volle Zeit hatte zu reifen, aber trotz-dem volle Billigung verdient, weil nicht jeder Feldherr sich entschliesse,
*) Nach Guischard's Eechnung, welche mit der Napoleon's und anderer neuerSchriftsteller nicht übereinstimmt, indem diese die Schlacht bei Pharsalus auf den20. Juli nach julianischein Kalender verlegen, wonach dann der Kampf bei Dyrrha-chium am 15. Juni stattgefunden hätte.