230 HI. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
alten und besonders körperlich gewandten und geübten Kriegern bestan-den, hatten überall das Üebergewicht. Die beiden Armeen bei Pharsa-lus waren in gleicher Weise aus Römern und Hülfstruppen zusammen-gesetzt ; aber die des Cäsar hatten sich im Norden an den Krieg gewöhnt,die des Pompejus im Süden.
Pompejus bewies in der Schlacht bei Pharsalus ein unbegreiflichesSelbstvertrauen und gänzlichen Mangel an Voraussicht, und dann, alsseine Reiterei, auf die er am meisten gebaut hatte, geworfen war undfloh, Hess er den Muth gänzlich sinken und verlor alle Besinnung. »Erbeklagt sich bitter darüber, dass er in seinen Hoffnungen getäuscht wor-den, und dass gerade die, auf die er sich [am festesten verlassen (seineReiterei nämlich, bei der sich viele vornehme Römer befanden) ihn zuerstim Stich gelassen und sich zur Flucht gewandt haben«, sagt Generalv. Lossau. »Aber er selbst war daran Schuld, indem er den Angriff sei-ner Cavallerie fehlerhaft disponirt hatte und, die Hauptsache, dass erdann den Kopf verlor und seine Armee verliess, gerade als er Alles hätteaufbieten müssen und können, um seine Niederlage abzuwenden oderwenigstens zu verringern.«
Das klägliche Ende desselben veranlasst Napoleon I. zu folgendenWorten, welche zur Charakteristik der langen und merkwürdigen Lauf-bahn des Pompejus als Staatsmann und Feldherr dienen :
»So endete der grosse Pompejus im Alter von 58 Jahren, nachdemer 35 Jahre lang die höchsten Aemter der Republik bekleidet hatte. Erhatte 17 Campagnen gemacht: im Jahre 83, 82, 77, 49 und 48 gegendie Römer der Marianischen und Cäsarischen Partei; im Jahre 81 inAfrica; in den Jahren 76, 75, 74, 73, 72, 71 in Hispanien; 67 gegen dieSeeräuber; 65, 64, 63 gegen Mithridates ; er war mit dem Triumph be-lohnt für die Feldzüge 81 in Afrika, 71 in Hispanien und 61 in Asien; erwar dreimal Consul gewesen : zweimal (im Jahre 70 und 55) mit Crassuszusammen, einmal (82) mit Metellus Scipio zusammen; Pompejus, dendie Römer am meisten geliebt hatten, und dem sie den Beinamen derGrosse gaben, als er erst 26 Jahre alt war.«
Und dieser Mann konnte in dem Kampfe um die Macht mit Cäsarauf eine so tiefe Stufe herabsinken, wie wir sie oben schilderten, und dieihn einem so kläglichen Untergange zuführte!
Zum Schluss möge noch hier stehen, was Napoleon I. bezüglichder Zeit der Operationen in Griechenland sagt: »Dieser Feldzug Cäsar's,der ihn zum Herrn der Welt machte, hat zehn Monate gedauert. DieSchlacht bei Pharsalus fand einen Monat nach der Ernte statt, im Juli(nach unserm Kalender); begonnen wurde die Campagne um die Mittedes October (unseres Kalenders). Ende September wurde Pompejus