42. Dritter röm. Bürgerkrieg zwischen Cäsar u. Pompejus (49—45 v. Chr.). 227
Antonius und denf übrigen Theile seiner Armee zu vereinigen. Auchhierin zeigte er den Glauben an sein Glück, das ihm wirklich half, unddie Stärke seines Willens, aber nicht das für einen so grossen Feldherrnerforderliche Gleichgewicht von Verstand und Willen. Seine Ueberfahrtnach Griechenland mit nur einem Theile seiner Armee für die Dauer vonfünf Monaten kann man weder vernünftig noch fehlerlos nennen, siemuss vielmehr als zu kühn, ja bis zur Unklugheit verwegen genanntwerden.
»Die zwölf Legionen, welche Cäsar zu Brundisium versammelte«,sagt Napoleon I., »kamen aus Hispanien, Gallien und von den Uferndes Padus (Po); es scheint daher, dass er besser gethan habenwürde, sie durch Illyrien und Dalmatien nach Macedonien zu dirigiren;von Placentia, wo sich die beiden Wege scheiden, ist die Entfernungnach Epirus auf beiden gleich weit; seine Armee wäre dort vereinigtangekommen; er hätte nicht das Meer zu überschreiten gehabt, diesesso wichtige Hinderniss, das Angesichts einer überlegenen Flotte zupassiren ihm fast verderblich geworden wäre«. Das ist unbedingt undunbestreitbar richtig. »Allerdings«, fährt Napoleon fort, »lag die Schiff-fahrt noch in ihrer Kindheit: die Schiffe konnten nicht kreuzen und vordem Winde halten, sie scheinen nicht einmal für längere Zeit mit Wasser,Holz und Lebensmitteln versorgt worden zu sein«. Folglich standenVortheile und Nachtheile auf beiden Seiten gleich. Napoleon I. tadeltdas Verhalten des Pompejus vor der Vereinigung Cäsar's mit Antiochus,und das Cäsar's nach dieser Vereinigung bis zum Abmarsch von Dyrrha-chium. »Pompejus«, sagt er, »hätte mit einer so starken Armee nichtzugeben müssen, dass Cäsar ihn, den Pompejus, fünf Monate gleichsambelagert hielt«. Dies Verhalten Cäsar's hingegen vor seiner Verbindungmit Antonius, d. h. also die Einschliessung des Pompejus, nennt eräusserst verwegen [temeraire) ; »daher wurde er auch dafür ge-straft«, setzt Napoleon hinzu. »Wie konnte er hoffen sich mit Vortheilauf einer sechs Meilen langen Contravallations-Linie zu halten, durchwelche er eine Armee eingeschlossen hielt, die den Vorzug der centralenStellung und der Beherrschung des dahinter gelegenen Meeres hatte"?Nach ungeheuren Arbeiten verlor er ein Treffen, büsste die Elite seinerTruppen ein und war gezwungen das Schlachtfeld zu räumen. Pompejusbegnügte sich damit, der Contravallations-Linie Cäsar's eine Circumval-lation entgegen zu stellen; was konnte er 'auch anders thun, wenn erkeine Schlacht liefern wollte ? Aber er hätte grössern Nutzen aus derSchlacht bei Dyrrhachium ziehen müssen; an diesem Tage hätte er derRepublik zum Triumphe verhelfen können«. Einige neuereMilitär-Schriftsteller, unbedingte und begeisterte Lobredner Alles dessen,was Cäsar gethan, tadeln nicht, sondern bewundern nur die u n glaub -
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