226 HI. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
gestählten, ihm mit Liebe und vollem Vertrauen ergebenen, unterseiner Führung zu Allem bereiten Armee, wie in dem von ihmunterworfenen Gallien, welches ihm als erste und ausgezeichneteOperations-Bas's gegen Italien und Hispanien dienen sollte und konnte.
Pompejus dagegen hatte in seiner Verblendung keinerlei rechtzei-tige Widerstands-Massregeln getroffen. Mit Ausnahme der ProvinzenCäsar' s (die drei Gallien und Illyrien) im Besitze aller Länder undMeere der Kepublik mit allen ihren Kriegsmitteln und Streitkräften,hatte er es gewissermassen für unmöglich gehalten, dass sich Cäsar mitKrieg gegen ihn erheben könne. Auf seine Provinzen Hispanien undAfrika und die dort stehenden Truppen hatte er seine besondere Hoffnunggesetzt, aber nicht daran gedacht sich in Italien und Rom zu verstärkenund fest zu setzen, gleich als habe er vergessen, dass sie der Mittelpunktdes Staates waren, dass, wer sie besass, auch den Staat beherrschte.Der rasche Gang der Ereignisse und der Uebergang Cäsar's über denRubicon trafen ihn ganz unerwartet; Beides bewies mit einem Male,dass er sich in seinem Ruhm überlebt hatte, dass er nicht mehr deralte Pompejus von ehedem war. Sein erstes Gefühl ist Schreck,seine erste Handlung die Flucht aus Rom nach Capua und endlichnach Brundisium, um von dort nach Griechenland zu fliehen und hiererst Kräfte zu sammeln und sich Cäsar entgegen zu stellen. DasAlles kann man schon nicht mehr blos unklug nennen, es ist bereitsder reine Wahnsinn. Ohne Kampf dem Cäsar Italien und Rom über-lassen und gleich einem Besiegten schimpflich nach Griechenlandfliehen, das hiess von vorn herein Cäsar die Hälfte des Sieges zu-sprechen.
Cäsar hatte in 60 Tagen fast ohne Schwertstreich sich Italiens undRoms bemächtigt, dann aber sich nur durch Vertheidigungs-Massregelnlängs der Ostküste Italiens gegen Pompejus gesichert, dem er ohneFlotte nicht sogleich nach Griechenland folgen konnte, und war sofortkühn nach Hispanien aufgebrochen, um diedort stehenden pompejanischenLegionen, die seinen Rücken bedrohten, erst zu vernichten oder auf seineSeite zu bringen. In zwei Monaten war es ihm gelungen, sowohl die Le-gaten des Pompejus in Hispanien als ganz Hispanien selbst und Massiliazu unterwerfen, und nun, da er nicht allein Gallien, sondern auchHispanien und Italien, und somit eine feste und zuverlässige Operations-Basis hat, schifft er über das Meer nach Epirus, aber wegen Mangelsan Schiffen nur mit einem Theil seiner Armee, wobei er sich der Gefahraussetzt auf der See durch Pompejus' Flotte oder durch Sturm vernichtetzu werden. Nun bleibt er fünf Monate lang an der Küste von Epirusgegen die weit überlegene Macht des Pompejus stehen, die ihn leichterdrücken konnte, und erst gegen Ende dieser Zeit vermag er sich mit