218 HI. Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
waren und sich danach sehnten als Sieger in Rom einzuziehen. Ver-theilten sie doch schon freigebig Auszeichnungen, Aemter und Würdenunter sich, und was der ähnlichen Thorheiten mehr waren. Kurzum,Alle dürsteten nach Belohnungen, Ehren und besonders Geld, sowie nachRache an ihren politischen Feinden! So jämmerlich war das Romin des Pomp ejus Lager!
Cäsar war dies Alles bekannt, in schonungsloser Weise äussert ersich darüber in seinen Commentaren ausführlicher, und man kann esihm gern glauben: es musste sich Alles wirklich so verhalten, konntenicht anders sein. Nur darf man nicht meinen, dass Alles lediglich demEinflüsse seiner Umgebung auf Pompejus zuzuschreiben sei; nein, erselber im Taumel seines Hochmuths und Selbstvertrauens, seiner Eitel-keit und Machtliebe war dermassen verblendet, dass er kein ruhiges,gesundes und klares Urtheil über seine Lage gegenüber einem Mannewie Cäsar sich bilden konnte, dass er nicht alle wahrscheinlichen undunwahrscheinlichen Fälle des Entscheid ungskampfes mit ihm zu berech-nen vermochte, eines Kampfes, der über die Existenz des Einen vonihnen entscheiden musste. Er verstand und vermochte es nicht, dieGeister seiner Umgebung zu beherrschen und zu leiten, dachte nur anden Sieg, nicht aber an die zu dessen Erlangung erforderlichen Mittel;er glaubte nur den Cäsar angreifen zu müssen, um ihn auch schon über-wunden zu haben! Vor Allein Labienus bestärkte ihn hierin, dieser Aus-wurf von Undankbarkeit gegen Cäsar, der geschworene Feind Cäsar'sund zugleich der böse Genius des Pompejus, dem er eingeredet hatte, dassseine Armee, namentlich seine Reiterei in allen Beziehungen der Cäsar'serheblich überlegen sei, dass keine alten Veteranen von Gallien mehr beiCäsar seien, er vielmehr nur noch junge Krieger habe, und dem ähnlicheLügen mehr. Und dabei fiel es weder Pompejus selbst, noch Labienusoder den Uebrigen allen ein, die Hauptsache zu bedenken, dass Cäsarselbst gegen sie stand! als ob das eine ganz untergeordnete Fragesei. Mit einem Wort, sie Alle waren genau ebenso verblendet und ur-theilten ebenso thöricht, wie einst Dariüs und dessen Umgebung Alexan-der dem Grossen gegenüber vor der Schlacht bei Issus und Arbela!
Ganz anders Cäsar! E f war das a Heini geHauptdes Ganzen,von ihm, aus seinem Kopfe kam Alles, und mit solcher ge-waltigen Kraft, mit solchem Einfluss auf Alles was ihn umgab, vomHöchsten bis zum Geringsten, dass seine ganze, ihm vollkommen undbedingungslos ergebene, seiner Kunst wie seinem Glück vertrauendeArmee mit ihm an der Spitze nur einen Leib und eine Seele aus-machtej erfüllt von unüberwindlicher Kraft. Gegen sie war des PompejusHeer ohnmächtig, und die es führten, Thoren.
Jetzt hielt Cäsar für sich und seine Armee den Moment gekommen