42. Dritter röm. Bürgerkrieg zwischen Cäsar u. Pompejus (49—45 v. Ohr.)- 21 7
bewerkstelligte Verbindung der zuletzt Genannten inmitten der beidenErsteren verdient dabei - besondere Anerkennung und Beachtung.
Von dem Marsche von Dyrrhachium nach Macedonien und Thessa-lien an gewinnt die gegenseitige Lage beider Gegner mit jedem Schrittean Interesse und mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgt man ihr weite-res Verhalten. Aber die Entscheidung erwartet man nur von Cäsar,nicht vou Pompejus. In Cäsar's Hand liegt jetzt das Schicksal nichtallein des Feldzugs in Griechenland, sondern des ganzen Krieges, undmit unwillkürlicher Ungeduld fragt man, was Cäsar nun weiter thunwird.
Den Pompejus bei Metropolis erwarten und den Kampf mit ihm inThessalien ausfechten, das war Cäsar's Entschluss. Hier war das Ge-lände eben, wenig bergig, die Zeit der Ernte nahte heran (Anfang Juni).Bei Metropolis stand Cäsar nur einen starken Tagemarsch von Scipio beiLarissa entfernt (25 Kilometer). Weswegen er diesen nicht vor desPompejus Eintreffen angegriffen, wie er zuerst beabsichtigt hatte, istunbekannt. Vielleicht deshalb, weil die Stadt Larissa zu stark befestigtwar, oder weil Cäsar seine besonderen politischen Gründe für sein Ver-halten hatte? Unzweifelhaft war es die eine oder andere Ursache; ohnejeden Grund, das anzunehmen ist unmöglich.
Gleichfalls unbegreiflich ist es, dass einige Tage nach dem 5. Juni(d. h. nach der Vereinigung von Cäsar mit Domitius) der endlich inThessalien eintreffende Pompejus sich mit Scipio vereinigte,wo und auf welchem Wege ist unbekannt. Er war von Heraklea inWest-Macedonien nach Larissa im nordöstlichen Thessalien gezogen,gerade als Cäsar sich bei Metropolis befand, einen Tagemarsch westlichvon Larissa. Wie konnte Pompejus sich mit Scipio vereinigen, ohne vonCäsar gehindert zu werden ? Und nochmals, weshalb schlug Cäsar nichtvorher den Scipio, weshalb trat er wenigstens nicht dem zu Scipio heran-ziehenden Pompejus entgegen? Leider findet sich in Cäsar's Schriftenkeine Antwort auf diese interessanten Fragen, eine Thatsache. die ebensowunderbar als bedauerlich ist. Gewiss lagen gewichtige Gründe dazu»vor, aber welche?
Indessen hatte die Verbindung von Scipio mit Pompejus solchenEindruck auf des Letzteren Soldaten gemacht, dass sie nun ganz sieges-gewiss waren, mit Ungeduld dem sofortigen Kampfe entgegen drängtenund sogar murrten, da Pompejus noch zauderte. Er wolle den Krieg nurin die Länge ziehen, sagten sie, um den Oberbefehl länger zu bewahrenund von Consuln und Prätoren umgeben zu bleiben. Uebrigens war dieseMissstimmung nicht aus den Reihen seiner Soldaten hervorgegangen,sondern bei den den Pompejus umgebenden Senats- und Adels-Personenentstanden, die des fortgesetzten Krieges schon äusserst überdrüssig