42. Dritter rörn. Bürgerkrieg zwischen Cäsar u. Poinpejus (49—45 v. Chr.). 215
zu verschanzen, so schickte Poinpejus einen Theil seiner Leute nachWasser, nach Holz und auf Fouragirung, die übrigen kehrten einzeln indas Lager beiDyrrhachiurn zurück, um ihre dort zurückgelassenen Sachenzu holen. Dies hatte Cäsar vorhergesehen und nur abgewartet, nun gaber sogleich das Signal zum Aufbruch, machte einen zweiten Eilmarschund bezog dann ein Lager. Auf diese Weise war Pompejus ausserStande, ihm sogleich wieder zu folgen und blieb iu wenig günstigerSituation zurück.
Am anderen Tage verfuhr Cäsar genau ebenso: in der Nachtschickte er alles Gepäck voraus, um drei Uhr Morgens brach er selbstmit der ganzen Armee auf. So machte er es auch die folgenden Tageund kam dem Pompejus dadurch soweit voraus, dass dieser sich amvierten Tage bereits zum Aufgeben der Verfolgung genöthigt sah.
Im Lager bei Apollonia verblieb Cäsar am 28. Mai nur die durch-aus nothwendige Zeit, dann ging er in forcirten Märschen nach Macedo-nien zur Vereinigung mit Domitius.
Nun erst fasste Pompejus den Entschluss, sich seinerseits möglichstrasch mit Scipio zu verbinden. Cäsar bemerkt hierzu, dass Pompejus inder That die Absicht hatte, mit allen seinen Kräften über Domitius her-zufallen, wenn Cäsar etwa an der epirotischen Küste die Ankunft seinerübrigen Truppen aus Italien abwarten würde. Wir fügen aber hinzu,dass, wenn Pompejus auch diese Absicht wirklich hatte, er sie, seinemCharakter und seinen Operationen entsprechend, wohl schwerlich ausge-führt haben würde, denn er wäre nicht im Stande gewesen, sich hierzuAngesichts Cäsar's zu entschliessen, dem er zu dieser Zeit an Kühnheitund Geschick der Entwürfe und Operationen sehr nachstand.
So hatte denn Jeder, Cäsar wie Pompejus, die Absicht möglichstrasch sich in Macedonien, der Erstere mit Domitius, der Zweite mit Sci-pio zu vereinigen, und es handelte sich nur darum, wer dem Andern zu-vorkommen werde. Aber das konnte man schon voraussehen, dass derErfolg nicht auf des Pompejus Seite sein konnte. Cäsar ging auf demUmweg über Apollonia nach Macedonien, Pompejus aber konnte, abge-sehen von der viertägigen Verfolgung Cäsar's, auf dem geraden und kür-zesten Wege in Geschwindmärschen nach Macedonien gehen, sich mitScipio verbinden und Domitius schlagen. Aber sorglos und nachlässigwie gewöhnlich, that er Nichts von alledem und liess die beste Gelegen-heit noch vor seiner Vereinigung mit Scipio den Domitius zu besiegen,vorübergehen. Denn zur selben.Zeit, als Cäsar nach Apollonia und vonda nach Macedonien rückte, und Pompejus ihm 3 — 4 Tagemärsche weitfolgte, war Domitius, der lange am Haliacmon dem Scipio gegenüberge-standen (siehe oben), aber so, dass er zwischen Scipio und Pompejusstand, endlich wegen Proviantmangels nach Heraklea in Candavia