214 III. Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zu Augiistiis (323—30 v. Chr.).
seine Soldaten, beruhigte sie, sprach ihnen Trost und Muth ein, bestraftediejenigen, welche nicht ihre Schuldigkeit gethan hatten, und beschlossnoch am Abend desselben Tages, des 24. Mai, am folgenden Morgennach Apollonia aufzubrechen, wo er seine Verwundeten und Krankenunter dem Schutze der Besatzung zurücklassen wollte, sich mit Domitiusin Macedonien zu vereinigen, dort seine Kräfte zu concentriren mit Aus-nahme der Besatzungen von Lissus, Oricum und Apollonia, und denPompejus von der Küste des Meeres ab und hinter sich herzuziehen.Wenn Pompejus ihm nicht folgte, sondern sich nach Italien wandte, sowar Cäsar entschlossen, durch Illyrien^ebendahin zu gehen. Wollte da-gegen Pompejus ihm Lissus, Oricum und Apollonia entreissen und ihnvon der Küste ganz abschneiden, so beabsichtigte er sich gegen Scipiozu wenden und dadurch Pompejus zu zwingen, dass er diesem zu Hülfeeilen musste. Von diesem Plane setzte Cäsar den Domitius in Kenntnissund beschloss drei Cohorten in Lissus, eine in Oricum, vier in Apollonia,im Ganzen acht Cohorten, zurückzulassen und sich mit allen übrigenTruppen durch Epirus und Akarnanien zu ziehen.
Seine Soldaten und Offiziere waren ihm so ergeben und wünschtenso sehr den Kampf, dass sie ihn baten bei Dyrrhachium stehen zu bleibenund eine Schlacht zu schlagen. Er hielt es aber nicht für zweckmässig,nach der erlittenen Niederlage sogleich wieder seine Truppen in denKampf zu führen, fürchtete auch den Mangel an Lebensmitteln.
Demgemäss schickte er mit Anbruch der Nacht vom 24. auf den25. Mai alle Bagage, sowie die Kranken und Verwundeten unter demSchutze einer Legion und mit dem Befehl, unterwegs nirgends anzu-halten, nach Apollonia voraus; zwei Legionen behielt er bei sich, dieübrigen sieben Legionen brachen um drei Uhr Morgens in aller Stilleohne Signale auf verschiedenen Wegen der Bagage folgend auf. Baldnachdem sie abmarschirt waren, Hess er das gewöhnliche Signal zumAufbruch geben und setzte sich sofort mit der Arriere-Garde in Marsch.
Pompejus machte sich gleich zur Verfolgung auf, seine Cavallerievorausschickend; diese erreichte aber Cäsar's Arriere-Garde erst, alsdieselbe den Genusus überschritt, denn Cäsar war sehr rasch marschirt,und am Genusus, der sehr steile Ufer hatte, musste des Pompejus Reite-rei Halt machen, da sie keine Kähne zum Uebersetzen vorfand. CäsarHess durch seine Cavallerie nebst 400 Mann auserlesenen Fussvolks dieReiterei des Pompejus angreifen und warf sie zurück. Darnach rückte ernoch am selben Tage in sein altes Lager bei Asparagium, Hess seine Ca-vallerie eilends fouragiren, verbot aber seinen übrigen Truppen das Lagereinzeln zu verlassen. Pompejus war denselben Weg gegangen und hatteauch sein früheres Lager bei Asparagium bezogen. Da somit die Trup-pen auf beiden Seiten nicht nöthig hatten ihr Lager neu zu erbauen und