42. Dritter röm.Bürgerkrieg zwischenCäsitr u.Pompejus (49—45v.Chr.). 213
Dieser Ausgang des Kampfes machte auf die Armee des Pompejuseinen höchst günstigen Eindruck und wurde von ihr wie ein vollkomm-ner Sieg gefeiert. Cäsar bemüht sich in seinen Aufzeichnungen die Be-deutung desselben herabzusetzen, indem er seinen Misserfolg durch diegeringe Stärke der seinerseits am Kampf theilnebmenden Truppen*),durch das ungünstige durchschnittene und zwischen den Verschanzungs-linien sehr enge Terrain, sowie durch die Abtrennung des rechten Flü-gels nebst der Cavallerie vom linken Flügel zu erklären sucht. Wie demaber auch sei, er war geschlagen so gründlich wie nie zuvor. Bei-nah wäre er selber durch einen Ueberläufer erschlagen worden, sein beiihm fechtender Schildknappe rettete ihm das Leben. Am Abend sagteer, wiePlutarch angiebt; »Heute würde der Feind gänzlich gesiegt haben,wenn dort Jemand befehligte, der zu siegen verstände«. Sein Verlust andiesem Tage beläuft sich nach seiner eignen Angabe auf 9(i0 Mann Fuss-volk, viele römische Ritter, 30 Tribunen und Centurionen und 32 Feld-zeichen.
Pompejus führte seit jenem Tage den Titel Imperator; »er Hesssich durch diesen Titel verherrlichen«, sagt Cäsar, »ohne jedoch zu ge-statten, dass ihm der Lorbeerkranz vorangetragen werde«. Labienusbat sich von Pompejus alle gefangenen Cäsarianer aus, verhöhnte undverspottete sie und liess sie dann sämmtlich umbringen! — So gross warder Hass dieses früheren cäsarischen und von Cäsar so geliebten undmit Vertrauen überhäuften Legaten gegen den Letzteren!
§. 300.Marsch Cäsar's und hinter ihm des Pompejus nach Thessalien.
Der für ihn so ungünstige Kampf bei Dyrrhachium veranlasste Cä-sar zu sorgfältiger Erwägung seiner Lage. Das Resultat seiner Ueber-legungen bezüglich dessen, was er zu thun und wie er zu operiren habe,war, dass er bescliloss, sofort sich aus seiner schwierigen Situation zubefreien, ganz seine frühere Absicht einer EinSchliessung des Pompejusaufzugeben und durch ein geändertes Verfahren den Pompejus zumManövriren im freien Felde zu verleiten. Hierbei hoffte er seineGeschicklichkeit in derartigen Operationen bestens ausnutzen und mitHülfe seiner zuverlässigen tapferen Soldaten schliesslich die Entschei-dung zu seinen Gunsten herbeiführen zu können. Er versammelte daher
*) Dies ist nicht richtig, denn er hatte 33 Cohorten (3'/ 3 Legion) im Kampfe undzwei Cohorten in Keserve im Lager, Pompejus aber hatte nur zwei Legionen.