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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
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42. Dritter röni. Bürgerkrieg zwischen Cäsar u. Pompejus (4945 v. Chr.). 209

täglich zunehmenden Mangel an Lebensmitteln ertragen musste. SeineTruppen hatten viele Mühe und Gefahr zu bestehen, aber wenig Ruheund geringe Verpflegung. Indessen ertrugen sie Alles mit grosser Ge-duld, begnügten sich mit kleinen Portionen von Erbsen und Gemüse,sogar mit den Wurzeln einer »Chara« genannten Pflanze, welche mitMilch vermischt ein dem Roggenbrode ähnliches Gebäck ergab. Einigeaus Epirus herbeigetriebene Viehheerden kamen ihnen sehr erwünscht,obgleich sie für die ganze Armee nicht ausreichten. Im Heere des Pom-pejus herrschte dagegen Ueberfluss an Allem, ausgenommen Wasser undFourage, welches beides für seine zahlreiche Cavallerie bald gänzlichmangelte, sodass die Reitpferde abmagerten und das Lastvieh fiel. Dazukam, dass des Pompejus Truppen innerhalb der Linien zusammenge-drängt standen, ferner die unaufhörlichen Arbeiten, an welche sie nichtgewöhnt waren, die Menge der Thiercadaver, welche die Luft verpesteten,dies Alles machte auch die Lage der Armee des Pompejus zu einer sehrschwierigen. Ausserdem hatte Cäsar das Wasser aus allen Bächen undFlüsschen, welche durch des Pompejus Linien zum Meere flössen, abge-leitet, sodass die Soldaten des Pompejus gezwungen waren tiefe Brunnenzu graben, welche aber weit vom Lager entfernt lagen und in der Som-merhitze rasch austrockneten. In Cäsar's Armee war Wasser und Fou-rage genug vorhanden, und die Hoffnung auf das baldige Keimen derSaat sowie auf die Ankunft von Lebensmitteln aus Epirus stellte einebaldige Verbesserung der Lage in Aussicht. So hatte also jede Seiteeinige Vortheile, aber noch mehrere Mängel, und es ist schwer zu ent-scheiden, wer von Beiden sich in ungünstigerer Lage befand.

Unter diesen Umständen setzten sich die täglichen kleinen Schar-.mützel längs der ganzen Linie fort. Cäsar konnte nicht immer undüberall persönlich zugegen sein, da er bisweilen nothgedrungen ganz ausseinem Lager abwesend war. Während einer dieser Abwesenheiten*)kam der Legat P. Sulla, welchem Cäsar zeitweilig den Oberbefehl über-geben hatte, mit zwei Legionen einer angegriffenen Cohorte zu Hülfeund schlug den Feind in die Flucht, Hess es aber hierbei bewenden undging nicht zu einem allgemeineren Kampfe über. Cäsar belobt ihn dafüriu seinen Commentaren, obgleich es scheint, als hätte Sulla in einemallgemeinen Kampfe gegen des Pompejus Hauptmacht, welche zwei ge-trennte Angriffe gemacht hatte, einen entscheidenden Sieg erkämpfenkönnen. Cäsar lässt sich aber in seiner Darstellung hierüber nicht weiteraus. Es ist nur das beinerkenswerth, dass an diesem selben Tage sechs

*) Es seheint trotz der Lücke in Cäsar's Text an dieser Stelle, dass er zu einemUnternehmen gegen Dyrrhachium aufgebrochen war [siehe v. Göler, Kämpfe beiDyrrhachium und Pharsalus). Anmerkung des Uobersetzers.

Galitzin, AUgem. Kriegsgeschichte. 1,4. 14