■42. Dritter röm.Bürgerkrieg zwischen Cäsar u.Pompejus (-19— 45 v. Chr.). 207
die herannahenden Vortruppen des Pompejus sichtbar wurden. Pompe-jus, der sich somit von Dyrrhachium abgeschnitten sah, bezog nun einLager in der Nähe an dem Ufer des Meerbusens auf einer Anhöhe, diePetra (Felsen) genannt wurde. Hierher liess er einen Theil seinerSchiffe kommen und Proviant-Vorräthe aus diesen und andern Orten zu-sammenbringen.
Cäsar erkannte, dass der Krieg sich in die Länge ziehen werde,was ihm um so weniger angenehm war, als er keine Flotte zur Handhatte, denn die Schiffe, welche er zu bauen befohlen hatte, waren nochnicht eingetroffen. Pompejus dagegen besass eine Flotte, die zu dieserZeit die Küsten von Epirus schärfer als früher zu blokiren und auf derSee lebhafter zu kreuzen begann. Demzufolge traf Cäsar Massregeln,um sich in der Umgegend von Dyrrhachium Lebensmittel zu verschaffenund schickte zu dem Ende den Legaten Capulejus in das Innere vonEpirus mit dem Befehl von dort bis Dyrrhachium hin eine Linie von Vor-raths-Magazinen (mit regelmässigen Fuhren etc.) einzurichten. Die Stel-lungen beider Heere mussten notwendiger Weise mit künstlichen demTerrain angemessenen Mitteln stark befestigt werden. Cäsar sagt, dassdes Pompejus Lager von Bergen und steilen Anhöhen umgeben war,welche er (Cäsar) vor Pompejus besetzte und mit 26 einzelnen Schanzendeckte, die durch eine Contravallations-Linie von ca. vier geographi-schen Meilen oder 28 Kilometern Ausdehnung verbunden wurden. DieseLinie ging von der rechten Flanke am Meeresufer zwischen Dyrrha-chium und den Lagern Cäsar's und des Pompejus bis zum linken Flügelgleichfalls am Meeresufer jenseit des Apsus (heute Aspro oder Semeni).Seine Absicht bei dieser Umschliessuug war: ' 1) das Lager des Pompe-jus ringsum einzuschliessen und dessen an Zahl weit überlegene Reitereidaran zu hindern, dass sie die Gegend ausfouragire und die für Cäsarbestimmten Zufuhren abschnitte, dadurch zugleich 2) seine eigene Armeezu sichern, und 3) überall das Gerücht zu verbreiten, dass er den Pom-pejus eingeschlossen halte in seinem Lager, was jedenfalls dem Pom-pejus in der Meinung der Völker dort schaden, ihm (Cäsar) aber zu stat-ten kommen musste.
Auch hier liess Pompejus es wieder geschehen, dass Cäsar unge-stört seine Absicht ausfuhren und ihn von allen Seiten einschliessenkonnte: Er wollte sich nicht von Dyrrhachium noch von der Meeres-küste entfernen, und konnte sich nicht entschliessen die Arbeiten Cäsar'smit Gewalt zu unterbrechen. Es blieb ihm daher Nichts übrig, als sichselbst durch eine Contravallations-Linie mit 24 einzelnen Schanzen zudecken, welche gleichfalls vom Ufer des Meeres bis wieder ans Meeres-ufer reichten und eine Länge von etwa drei geographischen Meilen =21 Kilometer hatten. Im Innern dieses Raumes hatte Pompejus seiner-