202 Hl. Vom Tode Alexanders d. C4r. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
mitzutheilen und bäte um Waffenstillstand, worauf Cäsar's Legaten auchunbedenklich eingingen. Cäsar aber durchschaute bei seiner Ankunft inOricum die List des Bibulus und schlug den Waffenstillstand ab. Balddarauf erkrankte Bibulus und starb, an seiner Stelle wurde aber Nie-mand zum Oberbefehlshaber der Flotte ernannt, und so konnte nunjeder Unterführer auf seine eigene Hand operiren, sodass, zum Glückfür Cäsar, in den Operationen dieser Flotte noch weit weniger Einheitherrschte als vorher.
Bei dieser Gelegenheit bemerkt Cäsar, dass auf seinen durch Vi-bullius an Pompejus gerichteten Vorschlag dieser Letztere geantwortethabe: »Welchen Werth könnte für mich wohl Rom und mein Lebenhaben, wenn ich Beides nur der Grossmuth Cäsar's verdanke? Undwürde nicht Jeder dies denken müssen, wenn ich nach Italien zurück-kehrte, ohne den Krieg mit Ehren durchgefochten zu haben?« Cäsarsagt, dass er von dieser Antwort erst nach dem Ende des Krieges erfah-ren habe, sie wurde ihm nicht gleich mitgetheilt. und so blieb sein Vor-schlag ohne Folgen.
Noch ein anderes Vorkoinmniss zeugt von der Erbitterung, welchediejenigen erfüllte, die den Pompejus umgaben und dessen Handlungenbestimmten. Als Cäsar keine Antwort von Pompejus erhielt, wollte erdie nicht seltenen Unterredungen zwischen den Offizieren beider naheeinander gegenüber lagernder Heere zur Anknüpfung von Unterhandlun-gen benutzen und beauftragte seinen Legaten Vatinius damit. Dieserknüpfte ein Gespräch mit Labienus an, wurde aber plötzlich von Ge-schossen überschüttet, und Labienus rief laut: »Hört auf von Vergleichenzu sprechen! Wir können an den Frieden nicht denken, ehe ihr unsnicht den Kopf Cäsar's überbringt!«
Inzwischen hatte Libo, einer der Unterfuhrer von des PompejusFlotte, eine kleine Insel bei der Einfahrt in den Hafen von Brundisiumbesetzt und dadurch diesen letzteren gesperrt. Darauf fuhr er einigenaus dem Hafen auslaufenden Schiffen entgegegen, verfolgte sie bis insInnere desselben, wurde dort aber umzingelt und zur Flucht gezwungen,wobei er fünf grosse Schiffe einbüsste. Auf diese Weise wurde der Ha-fen von Brundisium wieder geöffnet.
Cäsar hatte seinerseits schon früher mit einer Legion eine Expedi-tion nach Buthrontum (heute Butrinto oderVuzindro) und an die Corcyragegenüberliegenden Ufer gemacht, um Lebensmittel zu holen. Der Win-ter näherte sich aber schon seinem Ende (Februar 48) und die Truppenaus Brundisium kamen noch immer nicht heran. Deshalb schickte Cäsaran seine Legaten in Brundisium den Befehl, beim ersten günstigen Windesogleich in See zu stechen und mit allen Truppen bei Apollonia zu lan-den, an dessen Ufern die Schiffe des Pompejus nicht vor Anker lagen