■12. Dritter röin. Bürgerkrieg zwischen Cäsar u.Pompejüs (49—45 v.Chr.). 203
noch kreuzten. In seiner Ungeduld aber dies noch nicht für hinreichendhaltend, beschloss er, selbst auf einem zwölfrudrigen Nachen nach Brun-disium überzusetzen. Der Fährmann fürchtete bei dem hohen Wellen-schlag mit dem kleinen Kahn in die hohe See zu rudern. Da sagte ihmCäsar die denkwürdigen Worte: »Was fürchtest du'? du fährst Cäsarund sein Glück«*]. Er konnte indessen seine Absicht nicht ausfuhrenund kehrte nach Apollonia zurück, wo Alle schon in grosser Sorge umihn gewesen waren.
Er bemerkt, und Plutarch sagt dasselbe, dass seine Truppen zuBrundisium ihre Führer dringend gebeten hätten, sie nach Epirus zufuhren. Endlich, im März 48 ifünf Monate nach der Landung Cäsar's inEpirus) schifften sich die Legaten M. Antonius und Calenus bei günsti-gem Winde mit den Truppen ein, gelangten glücklich in die hohe Seeund befanden sich am andern Tage schon Angesichts der Küsten vonApollonia und Dyrrhachium. Dies bewog den Coponius, Befehlshabereines pompejanischen Geschwaders im Hafen von Dyrrhachium, auszu-laufen und die Schiffe des Antonius mit vollen Segeln zu verfolgen. DerWind wurde heftiger und zwang Antonius in den Hafen von Nymphaeum(nördlich von Dyrrhachium) zu flüchten. Hier war er gegen Westwinde,nicht aber gegen Südwinde geschützt, und daher bei sich erheben-dem Sturme in sehr gefährdeter Lage. Aber auch hier, als ob es zumGlück für Cäsar so sein müsste, setzte der Wind plötzlich von Südennach Westen um, und nun gerieth Coponius seinerseits in grosse Gefahr.Der Sturm zerstreute seine Schiffe und zerschellte 16 derselben an derKüste. Was sich von der Bemannung zu retten vermocht hatte, wurdegefangen genommen, demnächst aber von Cäsar wieder freigelassen.
Auf solche Weise waren drei alte und eine neue Legion und 800Reiter (im Ganzen etwa 20,000 Mann) endlich an der epirotischen Küstegelandet, Angesichts beider Armeen. Jetzt kam es für Cäsar darauf an,sich mit diesen Truppen zu vereinigen, für Pompejus diese Vereinigungzu hindern und die frisch Gelandeten anzugreifen. Deshalb brachenbeide Heere aus ihren Lagern auf, Pompejus bei Nacht, Cäsar bei Tage,der Erstere aber direct auf den Landungspunkt los, der Letztere aufgrossem Umwege am Apsus stromauf, um diesen auf einer Furt zu pas-siren. Antonius hatte während dessen die Stadt Lissus (heute Alessio)nördlich von Dyrrhachium und dein Drin-Flusse eingenommen und Cäsarhiervon benachrichtigt. Pompejus konnte mit leichter Mühe Cäsar zuvor-kommen und Antonius angreifen, machte aber während der Nacht bis
*) Auf griechisch : nöXy.? xal o£oi&i jatjoIv • Kdioapa cpepei; -/.ai tyjv Kcäcwpo; vjjr:'s'ojiirXIouacrt«. Cäsar sprach dies zu einem griechischen Fährmann, also unzweifelhaftin griechischer Sprache, deren er ja vollkommen mächtig war.