200 III. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
hatten beobachten können. Cäsar sagt, dass Lucretius und Minueiusniclit gewagt hätten, seine Flotte anzugreifen, dass Bibulus nicht in diehohe See gehen konnte, weil seine Ruderknechte sich am Lande zer-streut hatten, und dass Pompejus von seiner (Cäsar's) Landung über-haupt erst durch den von Cäsar an ihn geschickten erneuten Vorschlagzu einer persönlichen Unterredung Kenntniss erhalten habe (siehe unten).So gross war die unverzeihliche Sorglosigkeit des Pompejus und seinerFlotten-Befehlshaber, wenig für Pompejus, viel dagegen für Cäsar ver-heissend.
Sobald alle seine Truppen ausgeschirrt waren , schickte Cäsar alleSchiffe gleich wieder nach Brundisium zurück, um die übrigen Truppenherüberzuholen. Nun erst erschien Bibulus auf dem Meere, griff dieleeren Schiffe Cäsar's an, welche von widrigen Winden zurückgehaltenwaren, nahm 30 derselben weg und verbrannte sie mit allen darauf be-findlichen Mannschaften. Nun erst dachte er auch daran alle Häfen vonIllyrien und Epirus, von Salonae (heute Salona bei Spalatro) bis Oricumzu beobachten. Zur selben Zeit, versuchte Octavius, ein Unterfeldherrdes Pompejus, dem Cäsar die Stadt Salonae wegzunehmen und belagertesie, wurde aber in fünf heftigen Ausfällen der Belagerten abgeschlagen.Auch dieses bezeugt, wie schlecht und nachlässig die innere Ordnungund der Sicherheitsdienst bei den Truppen des Pompejus gehandhabtwurde.
Die persönliche Unterredung, welche Cäsar in aufrichtiger besterAbsicht, bevor die Entscheidung durch die Waffen erfolgte, dem Pompe-jus vorschlagen Hess, sollte sich darauf erstrecken, dass beide Theiledie Waffen niederlegten und die Entscheidung über ihren Zwist demrömischen Senate und Volke Uberliessen. Cäsar schickte mit diesemVorschlage den pompejanischen Legaten Vibullius Rufus, der in Corfi-nium gefangen und wieder frei gelassen, und dann in Hispanien wieder-um gefangen worden war, zum Pompejus. Vibullius reiste eilends zuPompejus, fand ihn aber fern in Macedonien. Pompejus, welcher durchihn die erste Nachricht über die Landung Cäsar's erhielt, brach schleu-nigst nach Apollonia auf, an der Mündung des Apsus-Flusses (heute Se-meni in Albanien), wo seine Truppen in Winterquartieren lagen.
Cäsar war noch am Tage der Landung (6. November) nach Oricumweiter marschirt. Die macedonische Besatzung des Pompejus in dieserStadt verweigerte ihm den Einlass, die Bewohner aber öffneten ihm dieThore und die Garnison ergab sich. Von hier zog Cäsar nach Apollonia,wo sich dasselbe Schauspiel wiederholte: die Bewohner waren für Cä-sar, und die pompejanische Besatzung zog ab. Dem Beispiel Apollonia'sfolgten alle Städte von Epirus, indem sie sich Cäsar unterwarfen.
Pompejus erhielt auf dem Wege nach Apollonia hiervon Kunde und