-12. Dritter röm. Bürgerkrieg zwischen Cäsar u. Pompejus (49—45 v. Chr.). 199
Cäsar dagegen fasste seine Lage anders und weit richtiger auf: vonAnfang an sich den Anschein gebend, als habe er das Schwert nur fürdie Gerechtigkeit seiner Sache gezogen, ging er fest und ohne Schwan-ken mit grösster Energie aufsein Ziel los. Seinen Rücken hatte er sichin Gallien, Hispanien und Italien vollkommen gesichert und war jetztWillens gegen Pompejus mit der entschiedensten Oifensive so lange vor-zugehen, bis die Waffen zu seinen Gunsten den Ausschlag geben wür-den , ein Entscbluss, in welchem ihn sowohl das Gefühl seiner persön-lichen Ueberlegenheit über Pompejus, wie der Glaube an sein Glückvollends bestärkten.
§. 298.
Ereignisse zur See in Griechenland.
Ueberfahrt Cäsar's von Brundisium nach Epirus. Ereignisse zur
See, in Epirus, Aetolien, Thessalien und Macedonien.
Am 5. November 49 ging Cäsar zu Brundisium unter Segel, am fol-genden Tage landete er wohlbehalten zwischen den Klippen des Vorge-birges Chimerium, das zu dem Akrokeraunischen Gebirge gehört, südlichvon Dyrrhachium (heute Durazzo oder Dratsch) in Epirus. Merkwürdig,dass Cäsar in einer Gegend ausschiffte, welche den Namen Palaeste oderPhar salus") trug, gleichsam eine Vorbedeutung auf den Ort, wo spä-ter zwischen ihm und Pompejus das Schicksal sich entscheiden sollte!Ueberfahrt wie Landung wurden Seitens der Flotte und der Truppen desPompejus in keiner Weise gestört: Cäsar stiess auf kein feindlichesSchiff und am Orte der Landung auf kein noch so kleines feindlichesTruppencorps, so gross war die Nachlässigkeit des Pompejus und dasGlück Cäsar's! Dies allein schon bewies, dass Pompejus, der die grosseFlotte und die Herrschaft zur See besass und Cäsar's Ueberfahrt vonBrundisium her erwartete, keine Massregeln ergriffen hatte, um ihn nichtan die Küsten von Griechenland heran zu lassen. Bibulus lag mit 110Schiffen bei der Insel Corcyra, zwei unter ihm stehende Befehlshabervon je 18 Schiffen, Lucretius Vespilo und Minucius Rufus, lagen bei Ori-cum (heute Orco oder Ericho) vor Anker, etwa 14 Kilometer von Pa-laeste, aber in einer Bucht hinter der Insel, von wo aus sie die Ufer nicht
*) Auf den Karten findet sich nur der Name Palaeste, und bezeichnet sichdie Lage dieses Ortes südlich von Dyrrhachium, nördlich eines kleinen Fleckens(heute) Chimara, und zwar nördlich der Insel Corcyra, während das VorgebirgeChimerium südlich von Corcyra liegt. Anmerkung des Uebersetzers.