198 III. Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
Asien. Aegypten und andern Ländern zusammenbringen lassen. Miteinem Worte, ihm mangelte es weder an Schiffen, noch sonst an Mittelnund Streitkräften zur energischen Fuhrung des Krieges gegen Cäsar undum ihm die Macht zu entreissen. Aber Pompejus selbst, er, der infrüheren Zeiten überall und über jeden Feind gesiegt. Triumphe gefeiert,und, nach Plutarch's Worten, drei Welttheile überwundenhatte, er war von Charakter weicher und weniger fest als Cäsar,von Natur neigte er hin zu Ueppigkeit, Weichlichkeit und sinnlichenGenüssen, und hatte sich diesen von Jugend auf ergeben, — und beimasslosem Hochmuth und Ehrgeiz war seine Willenskraft nur schlaff,fremdem Einfluss leicht unterworfen, er verfiel leicht in Wankel-muth und Energielosigkeit. Besonders in dieser Zeit war er nicht mehrder Schatten von jenem früheren Pompejus, man konnte nur mit Müheden Ueber winder dreier Welttheile in ihm wieder erkennen.Inzwischen glich er, der Beherrscher Griechenlands, Kleinasiens, Syriens,Aegyptens und Afrikas, der so ungeheure Mittel und Streitkräfte ver-sammelt hatte und von den vornehmsten Römern und Fremden, sogarvon Königen und andren fürstlichen Personen umgeben war, selbst mehreinem Könige, als einem römischen Dictator, sein stolzes Selbstver-trauen kannte keine Grenze, aber nur bis zu dem Augenblick, wo gleicheinem drohenden Schreckbild Auge in Auge vor ihm stand sein furcht-barer Gegner, Cäsar. Von diesem Momente an war Alles anders, undrasch kam es zur Entscheidung.
Länger als neun Monate (seit dem Jahre 50) in absoluter kriegeri-scher Unthätigkeit, hatte Pompejus verabsäumt, sich rechtzeitig zu Ver-theidigung und Schutz zu rüsten, dem Cäsar Italien und Hispanien zuentreissen, und überzeugt, dass keine Macht seine ungeheuren Streit-kräfte und Mittel besiegen könne, beschäftigte er sich lebhaft lediglichmit der Ausbildung seiner Truppen, indem er persönlich, im Alter von58 Jahren, ihnen in Uebungen zu Fuss und zu Pferde, mit Schwert undWurfspiess mit seinem Beispiel voranging. Allein bei all dieser körper-lichen Thätigkeit bezeigte er nicht die geringste geistige Thatkraft undmachte sich selbst die irrigste Vorstellung von seiner Lage, indem ernicht bedachte, dass der römischen Republik oberster Machthaber nurder sein könne, welcher Italien und besonders Rom in seiner Gewalthabe, nicht aber der, welcher es kleinmüthig verliess und von dort ent-floh. Demzufolge war auch der von ihm entworfene Kriegsplan eingänzlich unrichtiger : anstatt die Ueberlegenheit seiner Kräfte und seinerHerrschaft zur See zur Wiedereroberung von Italien und Rom anzuwen-den, beschloss er sich auf die blosse Defensive in Griechenland zu be-schränken und den Krieg nach Art des Fabius zu führen, dem Kampfeausweichend und dem Cäsar die Mittel zur Verproviantirung abschneidend.