42. Dritter rörn. Bürgerkrieg zwischen Cäsar u. Pompejus (49—45 v.Chr.). 197
zu wenige Transportschiffe vorhanden, da solche nur für 20,000 Mann zuFuss und 600 Reiter zur Hand waren. Cäsar sagt in seinen Commenta-rien, dass er sieben Legionen einschiffte, in welchem Falle diese sehrschwach gewesen sein müssten. Den Grund für die von ihm angeführtegeringe Anzahl von Schiffen giebt er nicht weiter an. Dies fällt um somehr auf, da"schon neun Monate zuvor, im Januar 49 er möglichst vieleKriegs- und besonders Transportschiffe in Brundisium zusammen zubringen befohlen hatte und überhaupt immer für alle Bedürfnisse seinerSoldaten und für alles zu den Kriegsoperationen Erforderliche bestenssorgte.
Zu Brundisium suchte Cäsar seinen Soldaten denselben Geist ein-zuhauchen, der ihn selbst beseelte, und wahrscheinlich ist ihm das auchgelungen. Seine Truppen bestanden grossentheils aus alten Veteranen,welche unter ihm die Feldzüge in Gallien, theilweise auch in Hispanienmitgemacht hatten. Sie kannten und verstanden, liebten und verehrtenihn, vertrauten ihm blindlings, hingen ihm begeistert an und hattenunter seiner Führung schon viele und wichtige Siege erfochten. Cäsarkonnte sich auf sie wie auf sich selbst verlassen, und so schiffte ersich endlich am 5. November 49 mit der Hälfte seines Heeres (wie schongesagt, sieben Legionen, etwa 20,000 Mann Fussvolk und 600 Beiter)auf Transportschiffen ein und stach von Brundisium aus in See.
Während dessen war Pompejus ganze neun Monate lang (von Märzbis November) in vollkommenster Unthätigkeit in Griechenland verblie-ben und hatte daselbst nur bedeutende Streitkräfte zu Lande und zurSee zusammengezogen. Und zwar hatte er deren so viele beisammen,dass sie denen Cäsar's weit überlegen waren. Bei seinem Eintreffen inEpirus besass er nur fünf Legionen, jetzt befehligte er schon neunrömische vollzählige und erwartete noch zwei, welche Metellus Scipioihm aus Syrien zuführte. Ausserdem hatte er noch 3000 Bogenschützen,1200 Schleuderer, 7000 Mann Reiterei bei sich, ja es scheinen noch einegrosse Menge Hülfstruppen um ihn versammelt gewesen zu sein. EinigeSchriftsteller geben die Stärke seiner Armee auf 90,000 Mann an, dieMehrzahl ist aber darin einig, dass Pompejus von allen Truppengattun-gen weit mehr besass, als Cäsar. Ganz ausserordentlich überlegen waraber seine Flotte der Cäsar's, denn er hatte aus Griechenland, Asien undAegypten an 500 Schiffe zusammengebracht und ausserdem noch neuezu erbauen befohlen. Diese Streitkräfte des Pompejus zur See warenin alle Seehäfen Griechenlands vertheilt und standen unter dem Oberbe-fehl des Bibulus, welcher mit 110 grossen Schiffen bei der Insel Corcyra(heute Corfu) vor Anker lag. Auch bedeutende Geldmittel hatte Pompe-jus sich aus Kleinasien, Syrien und von den verbündeten Fürsten zu ver-schaffen gewusst, und grosse Vorräthe an Lebensmitteln aus Thessalien