192 III. Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.
§. 296.Belagerung von Massilia; Niederlage Curio's in Afrika.
Es wurde schon früher (§. 289) gesagt, dass Cäsar bei seiner An-kunft vor Massilia Anfang April des Jahres 49 [nach heutiger Zeitrech-nung) befohlen hatte, die Stadt mit den drei Legionen des Treboniuseinzuschliessen und alle für die Belagerung derselben zu Lande nöthigenVorbereitungen zu treffen, gleichwie auch Schiffe zur Einschliessung aufder Seeseite zu bauen; er selbst war, um keine Zeit zu verlieren, nachHispanien gegangen. In §. 293 geschah des Seesieges bei Massiliadurch Brutus Erwähnung. Hier soll noch kurz die Belagerung von Mas-silia*) selbst dargestellt werden, welche zu den berühmtesten des Alter-thums gehört, und zwar nicht von Cäsar persönlich, aber unzweifelhaftdoch seinen Bestimmungen und Befehlen gemäss geführt wurde.
Massilia war damals eine der bedeutendsten Städte an den Küstendes mittelländischen Meeres, nach ihrer Grösse, Bevölkerungszahl, Han-del und Reichthum. Sie lag an den Rhodanus- (Rhone-) Mündungenauf einer Halbinsel zwischen ihnen. Trebonius konnte nicht früher alsim Mai des Jahres 49 ihre Belagerung beginnen, nach Beendigung allerVorbereitungsarbeiten. Er ging von zwei Seiten mit dem Angriff gegendie Stadt vor: die eine zwischen Hafen und Werft, die andre den Rhöne-mündungen gegenüber auf der Strasse nach Hispanien, mit der Absichtsich der Stadtmauer zu nähern. Die Belagerten waren im Besitz einergrossen Anzahl von Wurfmaschinen grösster Dimensionen, welche12 Fuss lange eisenbeschlagene Balken schleuderten und die festestenSchirme und Mantelets der Belagerer durchbohrten und umwarfen. NunHess Trebonius die Gallerien oder Zugänge mit 2 Fuss dicken Balkenbedecken und unter dem Schutze beweglicher bedeckter Gänge und einesungeheuren Schirmes [mantelet) einen Erddamm aufschütten. Die Be-lagerten setzten Widerstand entgegen und-hielten ihn bei jedem Schrittedurch heftige Ausfälle und lebhaftes Schiessen aus Katapulten und Baili-sten auf. Ihre Tapferkeit und Ausdauer wuchs noch erheblich in Folgedes Eintreffens des Nasidius, welchen Pompejus mit 16 am Schnabel miteisernen Widdern versehenen Kriegsschiffen der Stadt zu Hülfe ge-schickt hatte. Nasidius griff den Brutus an, wurde aber von ihm ge-schlagen und verlor fünf in den Grund gebohrte und vier weggenommeneSchiffe, mit den übrigen entkam er nach Hispanien.
*) In Cäsar's Coininentaren ist sie sehr ausführlich beschrieben.