Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
Entstehung
Seite
182
Einzelbild herunterladen
 

182 HI. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (32330 v. Chr.).

Cavallerie ging noch in derselben Nacht durch eine Furt des Sicoris underschien in der Ebene auf dem linken Flussufer fast in demselben Augen-blick, wo die Armee des Afranius von den Höhen auf derselben Seiteherabmarschirte ;^md da sie die feindliche Reiterei an Zahl und Tüch-tigkeit übertraf, so konnte sie ihren Auftrag ohne grosse Mühe vollbrin-gen. Cäsar's Fussvolk, für welches noch keine Furt durch den Sicorisgefunden war, beobachtete bei Tagesanbruch von den Anhöhen auf demrechten Ufer herab die Erfolge seiner ;Cavallerie und den dadurch fürAfranius entstehenden Aufenthalt, gerieth in ungewöhnliche Aufregungund forderte mit Ungeduld, [dass es den Fluss überschreiten und denKampf mit Afranius rasch entscheiden dürfe, indem es laut ausrief, dasses Nichts fürchte und zu Allem bereit sei. Da Cäsar diese Begeisterungbemerkte, beschloss er sie zu benutzen und den Versuch zu machen, sichmit Afranius zu schlagen *]. Er Hess also zur Bewachung seines Lagersaus den schwächsten und wenigst muthigen Kriegern gebildete Centu-rien zurück und durchschritt mit allen übrigen Truppen glücklich dieFurt des Sicoris, indem er ober- und unterhalb derselben Lastthiere querdurch den Fluss stellte; aber er gebrauchte doch viel Zeit dazu. Daraufformirte er sein Heer in drei Linien und legte in drei Stunden Nachmit-tags eine Umgehung von einer Meile (zufolge der Terrain-Beschaffen-heit) zurück, um die Anhöhen in der rechten und linken Flanke desFeindes besetzen zu können. Indessen hatte seine Reiterei den Feind soerfolgreich aufgehalten, dass dieser in 16 Zeitstunden nicht mehr alsIY2 römische Meilen ( 3000 deutsche Schritt) hatte machen können,wodurch Cäsar Zeit gewann, ihn einzuholen. Afranius - und Petrejusstellten ihre Schaaren in Schlachtordnung und rückten ein wenig vor.Aber Cäsar's Truppen waren so ermüdet, er selbst zugleich so wenig ge-willt, den Feind anzugreifen, dass er sein Heer Halt machen Hess. Dasselbethaten aus gleichen Ursachen die pompejanischen Legaten, und nach-dem beide Armeen einige Zeit sich ausgeruht, setzte die eine den Rück-zug, die andre die Verfolgung fort. Nach nicht ganz 2V 2 Meilen Marschgegen den Iberus hin bezog Afranius ein verschanztes Lager auf einerAnhöhe, Cäsar ebenso ihm gegenüber auf einer andern Anhöhe. UmMitternacht erfuhr er durch Gefangene, dass Afranius und Petrejus bei

*) Es nmss bemerkt werden, dass bei diesem ersten Zusammenstossrömischer mit römischen Truppen in Hispanien Cäsar die Absicht hatte,die pompejanischen Legaten und Heere womöglich ohne Kampf, blos durchM a n ö v r i r e n zu besiegen, da er mit Eecht sich vorgenommen hatte, die römi-schen Truppen des Afranius und Petrejus nicht zu vernichten, sondern aufseine Seite zu bringen. Daraus erklärt sich sein ganzes Verhalten gegen sie,man muss daher dies beständig vor Augen behalten.