170 HI. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
Sichtungen zu gehen, der Eine nach Griechenland, der Andere nachHispa-nien; die Gründe Beider waren aber, wenigstens scheint es so, keines-wegs richtig und stichhaltig.
Was Pompejus anbelangt , so kann man von ihm und für ihn nursagen, dass unter dem Einfluss des Senats und der Aristokratie undausserdem in dem Schrecken vor Cäsar er vollständig den Kopf verlorenhatte und einen grossen politischen und militärischen Fehler beging, in-dem er beschloss seine Kräfte nicht in Italien, sondern in Griechenlandzu versammeln. Hispanien, Griechenland, Afrika, Aegypten, Klein-asien und Syrien mit allen darin befindlichen Truppen, die Flotte unddas Meer waren in seiner Gewalt, er musste und konnte sehr leicht undrasch seine an Zahl weit überlegene Macht in Italien, bei Rom zusam-menziehen, um sich des Ersteren und namentlich der Stadt Rom zu be-mächtigen und damit die ganze Republik in seine Gewalt zu bringen:denn, wer Rom besass, der beherrschte auch den Staat. Bis zur Con-centration seiner Hauptkräfte in Italien hätte Pompejus, der zwei Legio-nen bei sich, 30,000 Mann bei Rom und die zehn Cohorten des Domitiusin Corfinium hatte, sich in Mittel- und dann in Süd-Italien auf der De-fensive halten müssen und können, nach der Ankunft der Truppen ausHispanien, Griechenland, Afrika u. s. w. würde die Ueberlegenheit derKräfte auf seiner Seite gewesen sein, und zur Offensive übergehendkonnte er hoffen, den Cäsar zu überwinden. Indem er aber nach Grie-chenland abzog, beraubte er sich freiwillig aller der angeführten Vor-theile, überliess Cäsar ganz Italien und besonders Rom und damit zu-gleich gewissermassen schon die Macht im Staate. Hatte er somit gleichvon vornherein einen grossen Fehler gemacht, indem er nicht bei ZeitenMassregeln traf zum Schutze Italiens, Roms und seiner selbst, so fügte erdem ersten nun den zweiten Fehler hinzu, der noch grösser und für ihnverderblich war, indem er Italien verliess und nach Griechenland über-setzte.
Was dagegen Cäsar anbetrifft, so scheint es keinem Zweifel zu un-terliegen, dass er, der neun Jahre lang die Erreichung seiner Ziele vor-bereitet und alle seine Handlungen reiflich und nach allen Seiten erwo-gen hatte, seine vollkommen triftigen und gewichtigen Gründe hatte, umnicht dem Pompejus nach Griechenland zu folgen, sondern zuerst sichnach Hispanien zu wenden. Seine Erläuterung dieser Ursachen aber inseinen Schriften ist unvollständig und in keiner Weise genügend, undvon den alten wie neuen Schriftstellern klärt kein einziger dieselbenweiter auf, ja sie verweilen gar nicht bei ihnen, sondern wiederholennur die oben angeführten Worte Cäsar's aus dessen Commentaren, dasser keine Flotte gehabt und gefürchtet habe, des Pompe-jus Legionen in Hispanien würden in Gallien einfallen.